München. Greift BMW in den USA zu unerlaubten Mitteln, um die Absatzzahlen zumindest auf dem Papier in die Höhe zu treiben? Ende des vergangenen Jahres gab es in den USA ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Münchnern und der Konkurrenz aus Stuttgart. BMW entschied das Rennen mit einem knappen Vorsprung von einem Prozent für sich. Insgesamt gaben die Münchner an, 247.907 Fahrzeuge verkauft zu haben, ein Plus von 2715 Autos gegenüber den Stuttgartern.
Ein Bericht im "Wall Street Journal" wirft jetzt aber die Frage auf, ob damals alles mit rechten Dingen zuging. Laut der Wirtschaftszeitung hat BMW im vergangenen Monat Hunderte von Vorführwagen als verkauft deklariert, obwohl sie laut Händlerangaben noch im Hof stehen. Dadurch seien "ein paar Tausend" BMWs der Siebener- und Dreier-Reihe in die Verkaufsstatistik gerutscht, behaupten die Händler. Gerade diese beiden Modellreihen haben im Juli einen ordentlichen Verkaufssprung hingelegt. Vom Siebener BMW wurden insgesamt 1700 Autos verkauft, rund ein Drittel mehr als sonst. Und auch der Absatz vom Dreier BMW verdoppelte sich - auf rund 2500 Fahrzeuge. Eigenen Angaben zufolge wurden die Händler am 31. Juli mit Rabatten von bis zu 7000 Dollar je Fahrzeug gelockt - einzige Bedingung: Die Autos mussten noch am gleichen Tag als verkauft gemeldet werden. Warum lassen sich Händler auf diesen Deal ein? Weil sie sonst Nachteile bei der Zuteilung von neuen Modellen befürchten, schreibt das Wirtschaftsblatt "Wall Street Journal". Noch verkaufen die Händler die 2012-Modelle, schon bald sollen die 2013-Modelle, die mehr Gewinn bringen und sich leichter verkaufen lassen, vom Fließband in die Verkaufsräume rollen. BMW hat im Juli in den USA mit dieser Taktik 21.297 Autos verkauft. Zieht man die von den Händlern erwähnten "paar Tausend" Fahrzeuge ab, könnte Mercedes-Benz mit 19.312 abgesetzten Fahrzeugen vor den Münchnern liegen. Darüber hinaus sollen die Münchner mit BMW-Erlaubnis Vorführwagen nicht wie üblich als "gebraucht" sondern als neu verkauft haben. Kenn Sparks, BMW-Sprecher in Amerika, erklärt in diesem Zusammenhang, dass die Vorführwagen gar nicht in der monatlichen Statistik auftauchen dürften. Laut seiner Kenntnis habe es im Dezember außerdem keine Rabattaktion für Vorführwagen gegeben. Seiner Meinung nach sind Rabatte aber dennoch "eine normale und zu erwartende Sache im Autogeschäft".Einen Tag nach den Vorwürfen meldet sich ein BMW-Sprecher zu Wort. Im "Handelsblatt" weist er die Vorwürfe über manipulierte US-Absatzzahlen entschieden zurück. "Davon kann nicht die Rede sein. Jedes Fahrzeug wird in der Statistik ein Mal erfasst”, so der Sprecher.BMW trickste angeblich beim US-Absatz
Daimler und BMW haben sich Ende des vergangenen Jahres ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Krone im wichtigen US-Markt geliefert. Mit einem hauchdünnen Vorsprung entschied BMW das Rennen für sich. Jetzt wirft ein Medienbericht allerdings Fragen auf, ob damals alles mit rechten Dingen zugegangen ist.
Cadillac trickste Ende der 90er
Neu ist die angebliche BMW-Taktik übrigens nicht. Cadillac, eine der GM-Töchter, hatte sich 1998 ein ähnliches Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Ford-Marke Lincoln geliefert. Überraschend legte Cadillac am Monatsende einen Endspurt hin und galt daraufhin als Sieger um die Vorherrschaft in der Luxusklasse in den USA. Allerdings nur so lange bis die Verantwortlichen zugeben mussten, etliche Autos selbst gekauft und damit die Statistik geschönt zu haben.
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