München. Die Schere in der Zulieferindustrie zwischen erfolgreichen und gefährdeten Unternehmen geht weiter auseinander. Das haben HypoVereinsbank und die Strategieberatung Oliver Wyman in einer Studie mit dem Titel "Hochleistungsbranche Automobilzulieferer" festgestellt. Die dort untersuchten europäischen Unternehmen repräsentieren einen jährlichen Umsatz von über 145 Milliarden Euro.
Laut Studie konnten die erfolgreichsten 25 Prozent der Branche bei allen Leistungskennzahlen (Rohertrag, Gesamtkapitalrendite, Operating Profit, Umsatzwachstum) zulegen. "Gleichzeitig wuchs der Abstand zu den Lieferanten im unteren Viertel der Profitabilität", so Jan Dannenberg, Director der globalen Automotive Practice von Oliver Wyman.
"Schon heute sind die Forderungen der Autohersteller nach Preissenkungen viel höher als das, was die Lieferanten über Kostensenkungen leisten können. Und alle Zulieferer erwarten, dass der Druck noch erheblich zunehmen wird", so Dannenberg. Durchschnittlich senkten die Zulieferer die Preise um 2,4 Prozent jährlich, im Einzelfall um bis zu vier Prozent.
"Die extremen Herausforderungen wie der enorme Preisdruck, hohe Vorfinanzierungskosten, steigende Gewährleistungsrisiken, neue Wettbewerber aus Niedriglohnländern, Materialkostensteigerungen oder die zunehmende Produktkomplexität führen dazu, dass die wenigsten Zulieferer noch Reserven für etwaige Fehltritte haben", ergänzt Guido Schacht, Koautor der Studie von der HypoVereinsbank. Einer der befragten Topmanager beschrieb die Situation gar als "Ritt auf der Rasierklinge". Die Autohersteller sollten sich in Zukunft bewusst machen, dass ein alleine auf Wettbewerb ausgerichtetes System künftig vermehrt zu Firmenzusammenbrüchen auf Seiten der Zulieferer führen wird, so Risikomanager Schacht.
Zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren gehören: klare Kundenorientierung, führende Innovationskompetenz, hohe Mitarbeiterqualifikation und eine exzellente Kostenposition. Und: Künftig wird die Kostenführerschaft neben starker Netzwerkfähigkeit und Globalisierungskompetenz an Bedeutung zunehmen.
Besonders erfolgreich schnitten solche Unternehmen ab, die die wirtschaftliche Nachhaltigkeit ihrer Geschäftsaktivitäten in den Vordergrund stellen - und zwar unabhängig von der Eigentümerstruktur. Bei den Familienunternehmen ist die Mehrheit (59 Prozent) gewillt, langfristig eine unter dem Branchendurchschnitt liegende Rentabilität zu akzeptieren, solange die Eigenständigkeit gesichert ist. Bei den von Private-Equity-Gesellschaften gehaltenen Zulieferern zeigten sich hingegen nur 14 Prozent bereit, langfristig auf wirtschaftlichen Erfolg zu verzichten.