München. Egal ob Vans, Cabriolets, SUVs, Geländewagen, Supersportwagen oder Crossover-Modelle - auf der Automesse IAA in Frankfurt werden die Autohersteller den Besuchern auch 2007 wieder ein Feuerwerk an Modellneuheiten und -varianten präsentieren. Anscheinend ist keine Nische zu klein, um sie nicht doch noch mit einem Fahrzeug besetzen zu können. Doch die Fragmentierung des Markts und die stärkere Orientierung an emotionalen Kaufgründen erhöhen die Nachfrageschwankungen bei einzelnen Automodellen.
Im Zuge dieser Diversifizierung wird immer mehr Wertschöpfung an die Zulieferer verlagert. So prognostizieren die Unternehmensberatung Roland Berger und der Verband der Automobilindustrie (VDA), dass bis zum Jahr 2010 mehr als die Hälfte aller Entwicklungsleistungen im Produktentstehungsprozess von den Zulieferern geleistet werden wird. Im Jahr 2000 lag der Wert noch bei rund einem Drittel.
Branchenexperten fürchten jedoch, dass die Teilelieferanten damit zum Teil überfordert sein könnten. "Wenn einerseits die individuelle Risikoabwägung einzelner Zulieferer entscheidend für ihre Investitionen in Innovation bleibt und andererseits das Risiko von Mengenschwankungen steigt, wird sich zwangsläufig Zurückhaltung breit machen", fürchtet beispielsweise Andreas E. Zielke von der Unternehmensberatung McKinsey & Company. "Aus meinen Gesprächen mit Managern der Branche weiß ich, dass der Schuh ordentlich drückt", betont der weltweite Leiter des McKinsey-Automobilsektors. Speziell für die deutsche Automobilindustrie, die davon lebe, ihren Kunden nicht das billigste, sondern das beste Fahrzeug anzubieten, wäre eine solche Innovationszurückhaltung langfristig verhängnisvoll.
Bernhard Braungart, Leiter Automotive Practice bei der Unternehmensberatung BrainNet, fürchtet zudem eine weitere Konsolidierungswelle in der Zulieferindustrie, weil kleinere Unternehmen durch das gestiegene Risiko zusätzlich unter Druck geraten.
Doch nicht alle Experten sehen die Situation so ernst für die Zulieferer. Wolfgang Bernhart, Partner im Automotive Competence Center der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants, sieht das größere Risiko "eher für einige deutsche Fahrzeughersteller, denen bestimmte Innovationen schlichtweg nicht mehr als Erste angeboten werden."
Doch wie schätzen die Zulieferer selbst die Gefahr durch schwer kalkulierbare Abrufe ein? "Innovationen können nur erfolgreich realisiert werden, wenn sie auf einer wirtschaftlichen Volumenbasis kostenoptimiert aufbauen. Ohne entsprechende Skaleneffekte und die damit verbundene Planungssicherheit lassen sich Innovationen nicht wirtschaftlich realisieren", formuliert beispielsweise Hans-Georg Härter, Vorstandsvorsitzender von ZF Friedrichshafen.