München. Die Gerüchte wollen nicht verstummen, dass sich Ford auch von der schwedischen Tochtermarke Volvo trennt. Und sie werden von Ford nur noch halbherzig dementiert. Nun wird in der Autobranche heftig diskutiert, ob Ford gut beraten ist, einen solchen Schritt zu tun. Die Antwort lautet nur vordergründig „Nein“.
Es wäre tatsächlich schade, müsste Ford seine schwedische Premium-Marke abstoßen. Mir fällt spontan keine Marke ein, die sich nach dem Kauf durch einen großen Konzern erfolgreicher entwickelt hätte als Volvo. Audi vielleicht, aber deren Erfolgsgeschichte dauerte 30 Jahre. Verglichen mit dem Desaster, das General Motors bei Saab angerichtet hat, ist die Verbindung zwischen Ford und Volvo geradezu eine Musterehe: Man hat die Schweden an der langen Leine geführt. Offenbar war in Göteborg das richtige Team am Werk, denn während Jaguar die zaghafte Einflussnahme der Mutter mit modellpolitischen Fehlschüssen dankte, funktionierte sie bei Volvo geradezu perfekt. Die Modellpolitik, abgesehen vom glücklosen C30, stimmt. Der Trend zum Kombi kam den Schweden dabei entgegen. Die Modellpipeline ist gut gefüllt. Der Kompakt-SUV XC 60 wird ein Volltreffer, darin sind sich alle einig, die einen Blick auf das Auto werfen durften.
Dennoch dürfte Ford um einen Verkauf kaum herumkommen. Der US-Konzern ächzt unter einem Schuldenstand, den nur wenige Unternehmen bisher überlebt haben. Rekordverluste und ein schwindender Marktanteil in den USA, wo Ford in diesem Jahr womöglich von Toyota als Nummer zwei im Markt abgelöst wird, lassen kaum mehr unternehmerischen Spielraum. Leider wachsen die Gewinne im Europageschäft nicht in dem Maße, in dem sich die Verluste in den USA auftürmen. Da gilt es, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, auf die Marke Ford. Dass Volvo im Gegensatz zu Jaguar profitabel und damit wertvoll ist, macht einen Verkauf aus der Sicht von Ford nun noch sinnvoller.