Budapest. Es kann losgehen - der Kampf um Marktanteile im deutschen Segment der kleinen Geländewagen ist aus VW-Sicht eröffnet. Mit dem Tiguan hat nun auch Volkswagen einen kleinen Offroader im Angebot und kann in dem Segment, in dem sich bislang vor allem Toyotas RAV4 und BMWs X3 tummelten, neue Kunden gewinnen. Doch wer meint, die Wolfsburger hätten hier eher wenig Chancen, weil sie wieder einmal erst nach Jahren in einem für sie neuen Markt auftauchen, der irrt gewaltig.
Zunächst einmal kommt der "Bonsai-Touareg" zu einem Kampfpreis von 26.700 Euro auf den Markt, der bei Toyota beim ähnlich teuren RAV4 sicherlich bald zu einer Anpassung nach unten führen dürfte. Zudem hat man laut VW-Marketingchef Michael Kern „die Gnade der späten Geburt“ genutzt, und dem Auto neben verschiedenen Gesichtern, zahlreichen technischen Schmankerl und eine für ein in dieser Preisklasse kämpfendes Fahrzeug überraschende Agilität mitgegeben. Der Tiguan geht gut ums Eck, hat einen für ein SUV ungewöhnlich variablen Innenraum, bietet auf der Rücksitzbank und in deren Fußraum ausreichend Platz und lässt sich schließlich – natürlich gegen entsprechenden Aufpreis – auch recht nobel ausstatten. Da sind die rund 8000 Euro Einstiegspreisunterschied gegenüber dem Mitbewerber aus München auch ein kräftiges Pfund, mit dem VW wuchern kann. Zwar sieht man dem Auto im Innenraum und bei Details den Griff den Wolfsburger Baukasten an, doch wirklich stören dürfte das niemanden.
Wie oft sich der Tiguan denn nun verkauft, wenn er ab November in Deutschland und dann sukzessive in den anderen Märkten in die Schauräume kommt, bleibt abzuwarten. Das Segment wird in Westeuropa auf 600.000 Einheiten geschätzt in den USA gar auf 1,5 Millionen. Und von den aufstrebenden Märkten in Osteuropa weiß noch niemand, was zu erwarten ist. Als sicher dürfte aber gelten, dass VW neben der zunächst für rund 120.000 Stück ausgelegten Kapazität beim Touranfertiger Auto 5000 in Wolfsburg weitere Produktionsstätten für das Fahrzeug einführen wird. Russland steht schon fest und eine Fertigung im Dollarraum – immerhin 50 Prozent der verkauften Tiguan sollen internen Schätzungen zufolge dorthin gehen – ist ebenfalls geplant. Wenn man dann die Einheiten addiert, dürfte eines klar sein: Die Wolfsburger werden wie schon beim Touareg und beim Touran eindrucksvoll beweisen, dass sie, wenn sie denn erst einmal in einem Segment antreten, dieses auch ganz gut von hinten aufrollen können – nicht nur auf nationaler Ebene.
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