Köln. Angesichts eines Rekordverlusts von 12,7 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr plant nach General Motors nun offenbar auch Ford, Modelle aus europäischer Produktion auf dem Heimatmarkt anzubieten. „Derzeit sucht ein Management-Team aus der Konzernzentrale auch in Europa nach geeigneten Modellen für die USA“, sagt ein leitender Mitarbeiter der Kölner Ford-Werke. Ford-CEO Alan Mulally bestätigt, dass man „künftig mehr Fahrzeuge in die USA importieren“ will. Zudem möchte der Ex-Boeing-Chef einen Modell-Mix, „der die Kundennachfrage nach kleineren, wirtschaftlicheren Autos widerspiegelt“. Denn Ford verliert in den USA stetig Marktanteile an Toyota.
Der sportliche Van S-Max würde gut zu Mulallys Plänen passen. „Wir prüfen, ob wir dieses Modell so wie es ist oder mit ein paar Änderungen auf den Markt bringen können“, erklärt Mulally. Das Segment der klassischen Vans ist in den Staaten zwar rückläufig, Crossover-Modelle liegen hingegen im Trend. Noch gibt es mit dem Freestar einen Full-Size-Van, doch der wurde von der Konzernleitung bereits angezählt. Daher müsste Ford ein komplett neues Modell entwickeln – oder aus Europa importieren. Der erhöhte Bedarf wäre im Werk Genk – dort werden die Modelle S-Max, Galaxy und Mondeo gebaut – relativ leicht zu realisieren. Nachdem 2003 die dritte Schicht gestrichen wurde, laufen in Belgien pro Tag nur noch 1200 statt 2100 Autos vom Band.
Fordert die Konzernzentrale schnellstmöglich einen Export, muss wieder eine Zusatzschicht eingeführt werden. Mark Fulthorpe, Analyst bei CSM Worldwide, geht davon aus, dass Ford erst 2009 mit dem Export des S-Max startet. „Dann ist in Europa die größte Nachfrage nach den beiden Vans befriedigt, was freie Kapazitäten von rund 40.000 Fahrzeugen pro Jahr bedeuten würde“, erklärt Fulthorpe. Sollten die Amerikaner auch den Mondeo wollen, entfällt diese Option. Doch selbst wenn Mulally, wie er sagt, das Auto „unbedingt will, seit ich es im aktuellen James-Bond-Film gesehen habe“ – der Mondeo wäre zu dicht am erst seit einem Jahr erhältlichen Fusion positioniert.
Ähnlich wie es DaimlerChrysler mit dem Mercedes Sprinter vorgemacht hat, denkt Mulally auch an einen Import des Transit. „Ein perfektes Auto für das Gewerbe in den USA“, sagt Mulally. Hingegen gilt als unwahrscheinlich, dass die aktuelle Generation des Transporters ihren Weg über den Atlantik findet. In jedem Fall kann die Kapazität im türkischen Werk Kocaeli von derzeit 280.000 Fahrzeugen „schnell und einfach erhöht werden“, sagt Fulthorpe.
Auch ein Ford-Modell aus deutscher Produktion könnte das Angebot in den USA erweitern. Gilbert Hess, Betriebsratsvorsitzender des Werks Saarlouis, rechnet damit, dass „wir den C394 auch für Amerika bauen“. Hinter dem Kürzel verbirgt sich das neue SUV-Modell auf Focus-Basis, dessen Produktion Anfang 2008 beginnt. Das würde jedoch eine Auslagerung von Standard-Focus-Modellen bedeuten. Ein möglicher Standort wäre Rumänien. Dort hat Ford neben GM, Tata und Chery ein Gebot für das ehemalige Daewoo-Werk abgegeben. Die Fabrik hat laut der staatlichen Privatisierungsbehörde AVAS eine Kapazität von „mindestens 300.000 Fahrzeugen“.
Selbst wenn Mulally derzeit noch betont, dass die Pläne „nicht endgültig verabschiedet sind“, wird die Position von Ford of Europe innerhalb des Konzerns weiter gestärkt. Ohnehin ist das Europa-Geschäft mit einem Gewinn vor Steuern von 469 Millionen Dollar ein Lichtblick für Mulally. Die Luxus-Sparte PAG, in der Volvo, Land Rover, Jaguar und Aston Martin zusammengefasst sind, hingegen nicht – der Verlust stieg von 89 auf 327 Millionen Dollar. In den USA plant der Konzern, durch den Abbau von 44.000 Arbeitsplätzen und 16 Werksschließungen ab 2009 schwarze Zahlen zu schreiben.