Köln. Der Anspruch ist hoch und das 16-Millionen-Euro-Werbebudget rekordverdächtig. Der neue Mondeo soll in neuen Revieren wildern und das immer noch leicht angestaubte Image der Marke auf Dynamik und Design trimmen. Der jüngste Ford nimmt die "Premium-Fahrer" von Mercedes, Audi und BMW ins Visier.
"Wir sind fest davon überzeugt, dass der neue Mondeo das Potenzial hat, auch Fahrer von Fremdmarken zu erobern, weil er viel Premium-Qualität zu einem erschwinglichen Preis bietet", sagt Marketingchef Jürgen Stackmann Für dieses Jahr hat er sich ein anspruchsvolles Ziel gesetzt: 23.000 Mondeo sollen verkauft werden, 2008 sind 35.000 bis 40.000 angepeilt. Vom alten Mondeo wurden 2006 immerhin noch 28.100 Stück an die deutschen Kunden gebracht.
"Wir Ford-Händler brauchen einen Imagegewinn, und der Mondeo wird uns dabei ganz stark helfen, davon bin ich überzeugt", sagt der Vorsitzende des Ford-Händlerverbands, Volker Reichstein. Die erste Resonanz der verwöhnten Kundschaft scheint ihm Recht zu geben: Zum Verkaufsstart in Deutschland Mitte Juni strömten nach Angaben von Ford rund 300.000 Besucher zu den zirka 2000 Verkaufsstationen. Etwa ein Viertel seien Fahrer anderer Automarken gewesen.
"Mir ist es zum ersten Mal in meinem privaten Umfeld passiert, dass Fahrer von Premiummarken fragten: ,Du, Wolfgang, kann ich den Mondeo mal Probe fahren?'" Das berichtet Wolfgang Koch, geschäftsführender Gesellschafter des Autohauses Schiffmann in Bonn. Wichtiger aber als eine Handvoll prestigeträchtiger Umsteiger sei für Ford die Herausforderung, sich dauerhaft in der Premiumklasse zu etablieren, sagt der Händler. Koch setzt vor allem auf bisherige Mercedes-Fans: "Die Käuferschicht für den Mondeo ist im Wesentlichen über 40 Jahre alt - und deshalb sehe ich auch eher den E-Klasse- als den C-Klasse-Fahrer zu uns kommen."
Ford-Händler Gerhard Deininger aus dem schwäbischen Nürtingen ist etwas skeptischer: "Wir sind alle begeistert vom Mondeo, aber ob er wirklich Premiumkunden anlockt - lassen Sie uns darüber mal wieder in einem Jahr sprechen." Deiniger hat bereits gut 30 Mondeo verkauft - davon gingen aber 27 an bisherige Ford-Fahrer. "Ford hat leider immer noch ein Imageproblem. Wer vom Mercedes auf den Mondeo umsteigt, wird im Schwabenland gefragt: ,Kannst Du dir jetzt keinen Daimler mehr leisten?'" Um die Top-Fahrer ins Ford-Lager zu holen, brauche es stärkere Motoren und ein breiteres Angebot mit Automatikgetriebe, bemerkt Deiniger. In der Benziner-Variante ist beim Automatik derzeit bei 160 PS Schluss, beim Diesel schon bei 130 PS. Ein rund 170 PS starker Diesel für den Mondeo kommt aber nach Angaben aus dem Unternehmensumfeld frühestens im kommenden Frühjahr. Ein Automatik-Benziner mit 180 PS wurde den Händlern für den September in Aussicht gestellt. Ford verweise dabei gerne auf seine höher motorisierten Marken Jaguar und Volvo, deutet Wolfgang Koch das Dilemma der Ford Group an.
Sollte der neue Mondeo tatsächlich erfolgreich in fremden Revieren wildern, müssten die Händler sich künftig mit einem ganz neuen Problem befassen: "Für uns wären die dann hereinkommenden Gebrauchtwagen eine echte Herausforderung", sagt Ford-Händler Koch. "Dann steht bei uns auf dem Hof kein älterer Fiesta mehr, sondern eine passable C-Klasse."