Wolfsburg. Das angespannte Verhältnis des Volkswagen-Konzerns zu wichtigen Lieferanten ist einer neuen Belastungsprobe ausgesetzt. Die Volkswagen Slovakia a.s., als VW-eigene Landesgesellschaft zuständig für die Werke Bratislava und Martin in der Slowakischen Republik, droht ihren weltweiten Top-Zulieferern seit kurzem eine Straf-Pauschale in Höhe von 5.000,50 Euro an, sofern sie im Rahmen so genannter Fahrzeugaudits fehlerhafte Teile entdeckt. Bei VW in Bratislava laufen unter anderem der Touareg und der Audi Q7 vom Band, in Martin entstehen Fahrwerk- und Getriebekomponenten.
In einem Schreiben, das Automobilwoche vorliegt, kündigen zwei hochrangige Manager der VW-Qualitätssicherung (QS) Stichproben "mit einer Prüfschärfe von unter ein Prozent" an, die, so ein Insider, bewusst auf "chronische Schwachstellen" zielen. Da bestimmte Fehler, so die VW-Experten, "auch für den Durchschnittskunden erkennbar und somit relevant" sind, seien umfangreiche Nachbesserungen vonnöten. Die so entstehenden Kosten gebe VW nun "pauschaliert" weiter, um einen "erhöhten administrativen Aufwand" zu umgehen.
"Diese Geldschneiderei nutzt VW vor allem zur Refinanzierung seiner QS-Truppe", schimpft ein betroffener Zulieferer. "Der Kalkulation liegt ein Stundensatz von 14 Euro zugrunde – weit mehr, als in der Slowakei an Audit-Profis bezahlt wird." Zudem sei der VW-Drohbrief "allzu ruppig formuliert". Ein Textbeispiel: "Im Sinne einer gegenseitigen Partnerschaft" sei zu hoffen, "dass Sie uns zukünftig mit Teilen der vereinbarten Qualität beliefern."
VW-Markenchef Wolfgang Bernhard hatte 38 ausgesuchte Zulieferer erst jüngst gereizt, als er ihnen im Rahmen einer "Lieferantenklausur" Einsparungen "in einer dreistelligen Millionenhöhe" abringen konnte. Die Initiative gehört laut Volkswagen zum Sanierungsprogramm "ForMotion".