Wolfsburg. Angesichts ihrer stark erodierenden Marktanteile auf dem strategisch wichtigen Wachstumsmarkt China bereitet die Marke Volkswagen die Entwicklung eines neuen Pkw-Modells für das Reich der Mitte vor. "Das Projekt befindet sich derzeit zwar noch in der Vor-Konzept-Phase", bestätigte ein hochrangiger Manager gegenüber Automobilwoche. "In der VW-Konzernleitung allerdings besteht Konsens, dass Volkswagen ein speziell für chinesische Bedürfnisse konzipiertes Auto dringend benötigt."
Demnach plant VW eine "modern gestaltete, robuste Limousine mit üppigem Platzangebot" im Fahrgast- und Kofferraum als Nachfolger für den technisch wie optisch längst überholten Santana 2000/3000 sowie für ein veraltetes Jetta-Modell. Die Markteinführung des neuen China-Mobils soll im Laufe des Jahres 2009 erfolgen. Der Preis des Raum-Fahrzeugs wird – je nach Ausstattung – lediglich zwischen umgerechnet 10.000 und 12.000 Euro liegen.
"Um diese Kampfpreise zu ermöglichen", sagt die Führungskraft, "setzt VW von der Entwicklung bis zur Produktion verstärkt auf chinesische Kompetenz." So hat VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard angeordnet, die technische Konzeption des Fahrzeugs weitgehend chinesischen Ingenieuren und VW-Experten vor Ort zu überlassen. "Viele VW-Entwickler in Wolfsburg bleiben bewusst außen vor", weiß ein Volkswagen-Mann, "da deren Verrechnungspreise den engen Kostenrahmen sprengen würden." Auch die Übernahme bereits verfügbarer Komponenten wie der Achssysteme des Passat B6 komme aus diesem Grund nicht in Betracht. Massiv ausbauen will Winfried Vahland, Volkswagens Statthalter in China, im Rahmen des Restrukturierungsprogramms "Olympic" den Wertschöpfungsanteil lokaler Zulieferer. Die Klimaanlage des Fernost-Vehikels etwa soll ein chinesischer Lieferant beisteuern. Aufwändige Entertainment-Module wollen die Wolfsburger gar nicht erst anbieten, selbst ein Navigationssystem scheidet aus Kostengründen aus.
Gefertigt wird der betont preisgünstige Volkswagen voraussichtlich am Standort Schanghai, wo VW mit dem chinesischen SAIC-Konzern seit Jahren ein umfangreiches Jointventure unterhält.
Als Hauptwettbewerber für das China-Auto hat VW den koreanischen Anbieter Hyundai und den Japan-Multi Toyota identifiziert.