Wolfsburg. Die Volkswagen AG steht vor tief greifenden Änderungen ihrer Unternehmensstrategie. Darauf hat Konzernchef Bernd Pischetsrieder eine handverlesene Runde von Managern bei einem Topmanagement-Meeting in Warschau eingestimmt. Vor dem Hintergrund der angespannten finanziellen Situation von VW, die Vorstandsmitglied Hans Dieter Pötsch nach Darstellung eines Teilnehmers "bedenklich düster" skizzierte, will Pischetsrieder unter anderem Marken- und Konzernfunktionen entflechten sowie die Zahl der Vorstände reduzieren, um die Kosten- und Ertragslage der Hauptmarke VW deutlich zu verbessern.
Eine Schlüsselrolle kommt dabei Ex-DaimlerChrysler-Vorstand Wolfgang Bernhard zu, dessen Berufung in die VW-Spitze der Aufsichtsrat auf der nächsten Sitzung am 12. November genehmigen soll. Die Top-Personalie, der schwierige Verhandlungen vorangingen (Automobilwoche 14 und 18/2004), gab VW am Mittwoch vergangener Woche offiziell bekannt. Demnach steigt Bernhard zum 1. Februar 2005 zunächst als Konzernvorstand ohne Geschäftsbereich ein.
"Der Zeitpunkt war gezielt gewählt", erklärte ein Aufsichtsrat gegenüber dieser Zeitung. Am Tag zuvor war auch die zweite Runde der VW-Tarifgespräche in Hannover ohne Ergebnis geblieben. Mit dem geplanten Engagement Bernhards, der als rigoroser Sanierer gilt, wolle Pischetsrieder der IG Metall signalisieren, "dass es ihm bitterernst ist mit der umstrittenen Kostensenkung bei VW".
Nicht nur unter den VW-Betriebsräten löst die beabsichtigte Bestellung des als "Kostenkiller" gefürchteten Bernhard zum Vorstandschef der Markengruppe VW gemischte Gefühle aus. Nervosität herrscht auch bei einigen VW-Führungskräften, die nun um ihre Jobs bangen müssen. Auf der Abschussliste von Pischetsrieder soll angeblich Strategievorstand Jens Neumann weit oben stehen.
Eine der vorrangigen Aufgaben für Bernhard wird der Ausbau der "Entry-Level-Strategie" sein. Trotz gegenteiliger Behauptungen arbeitet VW mit Hochdruck an neuen Autos für das Niedrigpreissegment. So soll Karl Hirtreiter, Produktmanager für Einstiegsfahrzeuge, dem VW-Vorstand bis Jahresende Konzeptideen für ein Gegenstück zum Dacia Logan präsentieren. Ein Billig-VW zu Preisen von unter 8.000 Euro (der 2005 startende VW Fox soll knapp 10.000 Euro kosten) könnte ab 2008 aus Brasilien oder China nicht nur in Schwellenländer exportiert werden.
Nach der Verschiebung des Projekts "C1" zieht VW den Nachfolger der Luxuslimousine Phaeton von 2009 auf 2007 vor. Audi soll dafür die Plattform des A8 liefern.