Düsseldorf. Die deutsche Automobilindustrie muss nach Untersuchungen der internationalen Unternehmensberatung McKinsey & Company im kommenden Jahr ihre Produktivität drastisch steigern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. "Mehrarbeit muss sein. Sie bringt Produktivitäts- und damit Wirtschaftswachstum", sagte Deutschland-Chef Jürgen Kluge im Interview mit Automobilwoche. "Allein die Wiedereinführung des Samstags als Regelarbeitstag würde rein rechnerisch ein Produktivitätsplus von 20 Prozent ergeben. Weitere 15 Prozent könnten durch eine Verbesserung der Prozesse erzielt werden." Dennoch werde die deutsche Autoindustrie auch an Personalkürzungen "nicht vorbeikommen". Bei Opel sei dies derzeit "hautnah zu erleben".
Auch eine weitere Verlagerung von Entwicklungs- und Produktionsumfängen ins Ausland hält der Berater für unumgänglich. Kluge: "Diese Option zu vernachlässigen, wäre unternehmerisch eine sträfliche Unterlassung, die niemandem hilft." Produktionsstandorte in Osteuropa und Asien seien denen in Deutschland inzwischen zu deutlich überlegen.
In einer aufwändigen Analyse von Produktionsstandorten für verschiedene Güter unter 130 Ländern hat McKinsey ermittelt, dass etwa die hochwertigen Teile von Autogetrieben idealerweise in Tschechien produziert und danach in Mexiko und China endmontiert werden. Um etwa die Getriebeherstellung in Deutschland zu halten, müssten nach dem Rechenmodell die "Löhne und Gehälter um nicht weniger als 80 Prozent" sinken. Kluge: "Das will keiner, das geht auch nicht."
Notwendig und auch realisierbar sei eine weitere Flexibilisierung der Arbeit: "Da darf es kein Tabu geben." Der Chef von McKinsey Deutschland wirft Wirtschaft und Politik schwere Versäumnisse vor: "Deutschland ist zum Sanierungsfall geworden." Eine nennenswerte Autoindustrie werde Deutschland in 20 Jahren nur noch haben, wenn neben Produktivitätssteigerungen eine "ganz wesentliche Rahmenbedingung erhalten bleibt – die Fähigkeit zur Innovation". Angesichts der Defizite im deutschen Bildungssystem sei aber zu befürchten, dass die deutsche Innovationskraft verloren gehe. Seine Prognose für 2005 ist düster: In Deutschland werde "das magere Wirtschaftswachstum wieder nicht ausreichen, um die Arbeitslosigkeit spürbar zu verringern".
Ähnlich zurückhaltend äußerten sich Autohersteller und Importeure in einer Umfrage von Automobilwoche zur Entwicklung der Pkw-Neuzulassungen in 2005. Das Hauptproblem sei weiterhin die hohe Kaufzurückhaltung der Deutschen. Die Auto-Verbände rechnen nur mit einer "marginalen Erhöhung" des Absatzes.