Wolfsburg. Vor dem Hintergrund des zähen Ringens um höhere Löhne und Beschäftigungssicherung bei VW mischt sich der Betriebsratsvorsitzende Klaus Volkert offensiv in die Produktplanung ein. "Ich denke, dass wir bei Volkswagen aus Wettbewerbsgründen über den Kleinwagen Fox hinaus mittelfristig ein Einstiegsmodell benötigen", erklärte er gegenüber Automobilwoche. "Und zwar produziert am Standort Deutschland."
Volkerts Forderungen sind in doppelter Hinsicht brisant. Zum einen wird VW den auf Polo-Teilen basierenden Fox aus brasilianischer Fertigung ab 2005 auch auf dem deutschen Markt anbieten. Sein Zielpreis von knapp 10.000 Euro könnte im Wettbewerb mit Billig-Autos wie dem Renault Dacia Logan (rund 7.500 Euro) aber zu hoch sein. Deshalb forciert VW intern selbst eine neue "Entry-Level"-Strategie.
Zum anderen steht Volkerts Vorstoß im Gegensatz zu Aussagen des VW-Konzernvorstands, wonach ein besonders preisgünstiges Auto aus deutscher Produktion schon aufgrund des hiesigen Lohnniveaus nicht darstellbar sei. "Natürlich muss man dabei berücksichtigen, dass die Kunden von VW einen entsprechenden Standard bei Qualität und Sicherheit erwarten", so Volkert. "Aber dann muss man die Fantasie eben bei anderen Dingen spielen lassen – etwa bei Prozessen und Strukturen." So sei für den Bau eines neuen VW-Einstiegsmodells in Deutschland das Konzept der "modularen Fabrik" zu prüfen, wie es VW Nutzfahrzeuge (VWN) in Brasilien umsetze: Im Werk Resende übernehmen sieben Zulieferer als "prozessverantwortliche Partner" von der Logistik über die Lackierung bis zur Montage von Lkw und Buslafetten wesentliche Teile der Wertschöpfung. Niedrige Fixkosten ermöglichen VWN somit wettbewerbsfähige Preise.
Beim VW-Chef könnte Volkert Gehör finden. Viele Menschen "träumen von Autos, die nicht mehr als 8.000 bis 10.000 Euro kosten dürfen", ließ Bernd Pischetsrieder intern jüngst verlauten. "Dazu muss uns etwas einfallen."