Wolfsburg. Nach dem Rücktritt von Vertriebs- und Marketingvorstand Robert Büchelhofer mehren sich bei Volkswagen die Anzeichen für einen Umbau der Führungsstruktur. Details wird Konzernchef Bernd Pischetsrieder auf der Hauptversammlung am 24. April präsentieren, heißt es aus VW-Kreisen. In aktuellen Planspielen der Zentrale werden Büchelhofers Aufgaben auf neu zu schaffende Gremien verteilt und das vakante Vertriebs- und Marketingressort nicht wieder besetzt. Diese Lösung würde das Konzept der Markenfamilien von VW und Audi stärken. Wie in einer Holding sollen Vorstandsbereiche, die auf das operative Geschäft ausgerichtet sind, Kompetenzen an die Konzernmarken abgeben. Deren Profil will Pischetsrieder stärker voneinander abgrenzen. Klammerfunktionen auf Konzernebene könnten Stabsstellen übernehmen, im Produktionsressort etwa die "Allgemeine Fabrikplanung", die für Synergien im Maschinenpark und einheitliche Fertigungslayouts sorgt. Entsprechende Informationen von Automobilwoche mochte VW nicht kommentieren.
Robert Büchelhofer hatte am vergangenen Dienstag sein Wolfsburger Büro geräumt. Vor Führungskräften begründete er die Amtsaufgabe mit internen Vorwürfen, er habe über sein Engagement für den Wachstumsmarkt China das Europa-Geschäft vernachlässigt. "Er hat nicht so funktioniert, wie er sollte", kritisierte ein ranghoher VW-Manager. Zudem beklagte Büchelhofer mangelnde Unterstützung von Pischetsrieder im Streit um die Ursachen für den enttäuschenden Start des VW Phaeton.
Büchelhofers Verhältnis zu den VW-Handelspartnern war seit langem lädiert: "Es wurde zu wenig Energie in die verkaufsträchtigen Modelle gesteckt", klagt Timm Moll, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses in Düsseldorf. "Der Fall Büchelhofer ist ein Indiz dafür", so Skoda-Händlersprecher Thomas Peckruhn, "dass im Konzern die Luft brennt."
Die Unruhe trifft Volkswagen in schwierigen Zeiten. "Für das laufende Jahr sehen wir weiterhin Schwächetendenzen in Europa, sagte VW-Markenvorstand Detlef Wittig im Gespräch mit Automobilwoche. "Dennoch wird VW Marktanteile hinzugewinnen." Jedoch nicht um den Preis neuer Incentives. Wittig: "Wir haben eine Grenze erreicht, von der an wir nicht weitergehen werden."