Hamburg. Die Affäre um unrechtmäßige Eroberungsprämien im Neuwagengeschäft der Daimler-
Chrysler AG zieht Kreise. Wie berichtet (Automobilwoche 13/2002), war Mercedes-Verkäufern der Niederlassung Hamburg gekündigt worden, nachdem ihnen die Revision der Berliner Vertriebszentrale manipulierte Bonuszahlungen nachweisen konnte. Inzwischen sollen die Prüfer auch in den Dependancen Nürnberg und Magdeburg fündig geworden sein. Der Nürnberger Daimler-Repräsentant Armin Mack weist die "bösartigen Gerüchte" als "absolut falsch" zurück. Die Berliner Zentrale lehnt eine Stellungnahme zu den "internen Vorgängen" nach wie vor ab.
In einem Brandbrief, der in einigen Zweigbetrieben kursiert, mahnt die Geschäftsleitung "aus aktuellem Anlass", "dass die Regelungen zur Gewährung der Eroberungsprämie strikt einzuhalten sind", bei Verstößen behalte man sich "entsprechende Schritte" vor.
Die geschassten Hamburger Mitarbeiter erwägen nun, vor dem Arbeitsgericht "auszupacken". So seien die ambitiösen Absatzziele jahrelang nur auf Grund heimlicher Exporte nach England, Dubai oder Japan erreicht worden – mit Billigung der Verkaufsleitung. In der Hansestadt sind weitere Betrügereien aufgeflogen: Werkstattmonteure hatten Comand-Systeme nach dem Austausch in Kundenfahrzeugen abgezweigt und auf eigene Rechnung verkauft – zwei Mitarbeiter wurden daraufhin gefeuert.