Hamburg. Im Congress Centrum der Hansestadt läuft seit 10.00 Uhr die 42. Hauptversammlung der Volkswagen AG. Als erster Redner dankte Klaus Liesen, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, dem Vorstandschef des Wolfsburger Konzerns, Ferdinand Piech, für dessen "große Verdienste" um das Unternehmen. Piech, der morgen 65 Jahre alt wird, übergibt sein Amt mit der heutigen Hauptversammlung in Hamburg an Bernd Pischetsrieder.
In einem Rückblick auf seine gut neun Jahre an der Spitze der Volkswagen AG ging Piech insbesondere auf 1993, sein erstes Amtsjahr bei VW, ein, das von einer "ernsten Krise mit tiefroten Zahlen im Konzern" geprägt worden war. Erst 1997, so Piech, "nach dem Anlauf des Golf in der vierten Generation, waren Konzern und Mannschaft auf Wachstum ausgerichtet. Inzwischen verzeichne VW eine "signifikante Verbesserung aller wesentlichen Kennzahlen des Unternehmens".
Eine wichtige Ergebnisgröße, die Volkswagen neu in die Gewinn- und Verlustrechnung aufgenommen hat, erklärte im Anschluß an Piechs Rede das für Finanzen zuständige Vorstandsmitglied Bruno Adelt: Das Operative Ergebnis habe im vergangenen Geschäftsjahr um 34,8 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro zugelegt und gelte intern als "Ausgangswert unserer wertorientierten Ergebnissteuerung".
Mit Spannung erwarteten die VW-Aktionäre den Ausblick des neuen Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder für das laufende Geschäftsjahr. Piechs Nachfolger allerdings hatte den Anteilseignern wenig erfreuliche Nachrichten zu überbringen; die Prognosen seinen "alles andere als zufrieden stellend". Dies gelte insbesondere für Westeuropa, mit einem, so Pischetsrieder wörtlich, "sehr schwachen deutschen Markt". Für ein Raunen im Publikum sorgte Pischetsrieder Mitteilung, wonach allein die Markengruppe Volkswagen (VW, Skoda, Bentley, Bugatti; d. Red.) im ersten Quartal 2002 einen um neun Prozent auf 817.000 Fahrzeuge rückläufigen Absatz zu verzeichnen hatte. Die Sparte Volkswagen Nutzfahrzeuge lieferte 8,8 Prozent weniger Einheiten aus als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Insgesamt ging die Zahl der Auslieferungen des VW-Konzerns an Kunden um 6,8 Prozent zurück.
Dennoch findet die diesjährige Hauptversammlung der Volkswagen AG nach Einschätzung der meisten Beobachter in vergleichsweise entspannter Atmosphäre statt. Im Gegensatz etwa zur Hauptversammlung der DaimlerChrysler AG, bei der am Mittwoch vergangener Woche in Berlin zahlreiche Rufe nach einer Ablösung des Vorstandschefs Jürgen Schrempp für Aufsehen gesorgt hatten, mussten sich die Mitglieder des VW-Vorstands und -Aufsichtsrats keiner allzu starken Kritik seitens der Aktionäre erwehren. Allein der von Ferdinand Piech initiierte Aufbruch des Volkswagen-Konzerns in das Luxuswagensegment wurde in Redebeiträgen einiger Anteilseigner zumeist skeptisch hinterfragt.