Hamburg. Die neue Luxuslimousine aus dem Hause Volkswagen wird den Namen Phaeton tragen. Dies gab Ferdinand Piech, der VW-Vorstandsvorsitzende, im Rahmen der Eröffnungsfeier der so genannten gläsernen Manufaktur in Dresden bekannt. In der neuen Fabrik im Freistaat Sachsen stellt der VW-Konzern jene Nobelkarosse fertig, die bisher unter dem Code D1 für Interesse gesorgt hatte: Die Marke Volkswagen soll sich mit dem üppig ausgestatteten Fahrzeug, das im Frühjahr kommenden Jahres auf den Markt kommen wird, in der automobilen Oberklasse etablieren. "Mit unserem Phaeton", so VW-Chef Piech, "wollen wir ein kompromissloses Qualitätsversprechen erfüllen".
In seiner Festrede würdigte Bundeskanzler Gerhard Schröder die Gläserne Manufaktur als einen "wichtigen Kristallisationspunkt" für die Wirtschaft der Region. Staatliche Zuschüsse für die neue VW-Fabrik in Höhe von insgesamt 74 Millionen Euro bezeichnete Schröder als "zweifellos richtig in einem strukturschwachen Gebiet". Seit der Grundsteinlegung für das neue Werk im Juli 1999 hat der Volkswagen-Konzern nach eigenen Angaben rund 187 Millionen Euro in das Dresdner Projekt investiert.
In der Gläsernen Manufaktur will Volkswagen automatisierte Fertigungsschritte der Fahrzeugproduktion mit einem hohen Anteil von Handarbeit verknüpfen. Dabei werden interessierte Kunden des je nach Motorisierung und Ausstattung zwischen 100.000 und 200.000 Mark teuren VW Phaeton einzelne Arbeitsschritte direkt in der Fabrik mit eigenen Augen verfolgen können. Zum Verkaufsstart Anfang März kommenden Jahres wird der Phaeton mit einem Sechs- und einem Zwöf-Zylinder-Benzinmotor angeboten; ein 313 PS starker Zehn-Zylinder-Diesel und zwei weitere Aggregate werden später hinzukommen.
Auf der über drei Ebenen verteilten und 55.000 Quadratmeter großen Produktionsfläche will VW neben dem Phaeton weitere Luxusfahrzeuge montieren lassen, etwa die Topversionen des für Herbst 2002 erwarteten Geländewagens Touareg. Bei voller Auslastung der Gläsernen Manufaktur werden 800 Mitarbeiter bis zu 150 Fahrzeuge pro Tag fertig stellen. Weitere 3.000 Arbeitsplätze entstehen nach VW-Angaben bei Zulieferern und Dienstleistern.
Für Verwunderung unter einigen Gästen der Eröffnungsveranstaltung sorgte die Wahl des Produktnamens Phaeton. Zwar bedeutet das aus dem Griechischen stammende Wort "der Leuchtende", womit sich durchaus positive Assoziationen verbinden lassen.
In der griechischen Mythologie allerdings war es Phaeton, ein Sohn des Sonnengottes Helios, der die Erde in Brand setzte, nachdem er die Kontrolle über den Sonnenwagen verloren hatte.
VW hofft, weltweit künftig rund 20.000 Einheiten des Phaeton absetzen zu können. Das wären immerhin rund 5.000 Autos mehr, als die Konzernmarke Audi vom Topmodell A8 verkauft. Die Wettbewerber BMW (7er-Reihe) und Mercedes-Benz (S-Klasse) kommen mit ihren Top-Limousinen auf immerhin 55.000 respektive nahezu 100.000 Einheiten pro Jahr.
Jeglichem Zweifel am Verkaufserfolg einer Luxuslimousine der Marke Volkswagen, mit der die meisten Kunden Großserienmodelle wie Polo, Golf und Passat verbinden, tritt Bernd Pischetsrieder energisch entgegen. Im Gespräch mit Automobilwoche nannte der designierte VW-Konzernchef, der im April 2002 auch das Projekt Phaeton vom Noch-Amtsinhaber Ferdinand Piech gewissermaßen "erben" wird, Volkswagens Aufbruch in die automobile Oberklasse eine "strategisch wohl kalkulierte und erfolgversprechende Management-Entscheidung".