Zunächst einmal war das abgelaufene Geschäftsjahr 2011/12, das Ende Mai geendet hat, für Hella ein Rekordjahr. Der Umsatz lag bei 4,8 Milliarden Euro, das operative Ergebnis betrug 346 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres konnten wir beim Umsatz noch einmal etwas zulegen. Und zwar auf rund 2,5 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreswert von 2,3 Milliarden Euro.
"Kurzfristig sind wir aber nach wie vor optimistisch"
Damit sind wir sehr zufrieden.
Alle Regionen sollen einen relevanten Anteil am Hella-Umsatz erreichen, um das Risiko zu minimieren, wenn sich ein Markt schwächer entwickeln sollte. Deshalb versuchen wir in Nordamerika aber auch in China entsprechend zu wachsen. Wenn man sich derzeit anschaut, in welchen Regionen unsere Produkte in den Autos zu finden sind, dann liegt Asien-Pazifik, vorwiegend China, bei 20 Prozent. Auf Nord- und Südamerika entfallen etwa 25 Prozent des Umsatzes und 55 Prozent auf Europa.
Ja, und aufgrund der Marktentwicklung wird dieser Anteil künftig auch noch etwas steigen.
Die sehr schwierige Situation in den südeuropäischen Ländern überträgt sich jetzt Schritt für Schritt auch auf andere europäische Länder. Das spüren wir natürlich auch. Aber wir können das zum großen Teil durch die gute Entwicklung des asiatischen und des Nafta-Marktes kompensieren.
Das kommt auf die zeitliche Perspektive an. In der weltweiten Automobilindustrie vollzieht sich aktuell ein gravierender struktureller Wandel. Die internationalen Märkte haben den europäischen Markt nicht nur kurzfristig überholt, sondern wandeln sich in rasantem Tempo von Absatz- zu Produktionsmärkten. Entsprechend werden bisherige Exporte, die zu einem hohen Volumen an europäischen Produktionsstandorten beigetragen haben, durch regionale Produktion an internationalen Standorten ersetzt.
Das führt auf lange Sicht zu Kapazitätsüberhängen in Europa. Man weiß natürlich nie, wie es in drei oder fünf Jahren aussieht. Kurzfristig sind wir aber nach wie vor optimistisch. Vorausgesetzt es kommt nicht zu einem vollkommen unerwarteten Einbruch. Die Abrufe sind aus unserer Sicht jedenfalls nach wie vor erfreulich. Hella ist gerade im Bereich der Premiumfahrzeuge relativ gut positioniert. Insofern sind wir von der Absatzschwäche in Europa zwar betroffen, aber vielleicht nicht ganz so stark wie andere Unternehmen.
Bislang verfügen wir dort über eine Handelsgesellschaft. Wir importieren auch einige Erstausrüstungsprodukte nach Russland, aber die Entscheidung wann wir mit einer Produktion nach Russland gehen, ist noch nicht gefallen. Sobald wir dort eine kritische Größe erreicht haben, werden wir aktiv.
Wir sehen das als Risikodiversifizierung. Wir wollten unsere bestehenden Kapitalmarktverpflichtungen etwas mehr entflechten, so dass nicht ein Hauptfinanzierungsbedarf zu einem bestimmten Zeitpunkt besteht. Und wir setzen nach wie vor stark auf Wachstum. Derzeit entstehen drei Lichtwerke, davon zwei in China und eines in Mexiko. Zudem erweitern wir massiv unsere Kapazitäten im Elektronikbereich. Die Stichworte lauten hier Asien und Osteuropa. Da gibt uns die Anleihe einfach noch einmal einen zusätzlichen Spielraum, den wir aber nicht in dem Umfang, in dem wir die Anleihe begeben haben, ausnutzen. Wir investieren auch sehr nachhaltig in das Thema Forschung und Entwicklung und stellen nach wie vor jeden Monat eine große Anzahl an Ingenieuren ein. Die müssen zunächst einmal trainiert und dann auf die Projekte gebracht werden müssen. Auch das muss vorfinanziert werden.
Die Schwerpunkte bilden Ost-Europa, Indien, China und Mexiko.
Wir müssen immer auf die Wettbewerbsfähigkeit achten. Zum einen setzen wir ganz stark auf unsere deutschen Leitwerke und Leitentwicklungscenter. Das heißt, alle wesentlichen Grundlagenforschungen und Vorentwicklungsaktivitäten, aber auch die größte Anzahl unserer neuen Technologien, sollen aus unseren deutschen Leitentwicklungszentren kommen. Aber wir investieren auch in den weltweiten Verbund unserer Entwicklungscenter, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Zudem versuchen wir uns in den verschiedenen Regionen eine gewisse Unabhängigkeit bei den Entwicklungstätigkeiten zu erhalten. Insbesondere wenn es darum geht, lokale Projekte zu entwickeln. Es kommt uns also auf eine gewisse Balance bei unseren Entwicklungsaktivitäten an.
Wir werden im laufenden Geschäftsjahr den Umsatz gegenüber dem Vorjahr verdoppeln – mit weiterhin sehr guten Raten. Unser Motto dabei lautet Qualität vor Quantität. Der Bereich wird sich weiter gut entwickeln, aber bis daraus eine Säule im Hella-Konzern wird, werden sicher noch einige Jahre vergehen.
In diesem Geschäftsjahr werden wir bei mehr als 30 Millionen Euro liegen.