München. Beim 3-D-Druck handelt es sich um den computergesteuerten schichtweisen Aufbau von Teilen aus einem oder mehreren flüssigen oder pulverförmigen Werkstoffen. Doch die Fahrzeugbauer bleiben skeptisch, ob das Auto künftig aus dem Drucker kommen wird. „In den nächsten Jahren für komplette Fahrzeuge sicher nicht“, erklärt Jens Ertel, Leiter des Rapid Technologies Center bei BMW. „Die Frage aus unserer Sicht ist nicht, wann und ob wir irgendwann ein komplettes Auto 3-Ddrucken können, sondern vielmehr, ob dies, nur weil es theoretisch irgendwann vielleicht einmal möglich ist, auch tatsächlich zielführend ist“, erklärt Nikolai Zaepernick, beim Spezialisten für Lasersinter-Technologie EOS unter anderem verantwortlich für die Automobilindustrie. Fraglich sei, ob es konkurrieren kann mit einem Auto, das konventionell hergestellt wurde. Je nach Anforderungen sind einzelne Komponenten bei BMW aber heute schon technologisch realisierbar. „Um das breite Spektrum der unterschiedlichen Bauteileigenschaften eines Fahrzeugs abdecken zu können, bedarf es jedoch noch einer Weiterentwicklung der einsetzbaren Materialien“, erläutert Ertel. Zudem sei die Reife mancher Verfahren und Anlagen noch auf einem Niveau, „bei dem reproduzierbare Bauteilqualität nur durch einen hohen Qualitätssicherungsaufwand erreicht werden kann“. Auch bei VW gibt man sich zurückhaltend. Beim Autobauer geht man davon aus, dass es bis zu einem Einsatz in der Großserie „noch ein sehr weiter Weg“ ist. Zudem müsse sich das 3-D-Druckverfahren in der Großserie mit ebenfalls schnellen und ausgereifteren beziehungsweise kostengünstigeren Produktionsverfahren messen. Derzeit wird das 3-D-Drucken bei den Wolfsburgern hauptsächlich für Designmuster und sogenannte Handmusterteile zur ersten Beurteilung eingesetzt. Zwar haben solche Bauteile eine sehr gute Oberflächenqualität und sind aus verschiedenen Materialien druckbar, doch eignen sie sich nur bedingt für die Erprobung. BMW-Manager Ertel legt Wert darauf, dass grundsätzlich „zwischen 3-D-Druckern im Consumerbereich und industriellen additiven Fertigungsanlagen unterschieden werden“ muss. Bei BMW kommen bei den kunststoffverarbeitenden Verfahren unter anderem Stereolithografie und selektives Lasersintern zum Einsatz. Das Strahlschmelzverfahren wird zur Herstellung von metallischen Bauteilen verwendet. Wirtschaftlich interessant können seiner Einschätzung nach additive Fertigungsverfahren bei sehr geringen Stückzahlen sein, so zum Beispiel im BMW-Motorsport, wo aktuell schon eine im Strahlschmelzverfahren hergestellte Motorkomponente in der DTM zum Einsatz kommt.
Der gedruckte Fahrzeugtraum
Das Auto aus dem 3-D-Drucker gibt es schon – oder zumindest fast. Der US-Ingenieur Jim Kor hat mit dem Urbee 2 vor einigen Monaten immerhin einen Prototyp eines Fahrzeugs vorgestellt, das aus dem 3-D-Drucker stammt. Insgesamt besteht das Auto noch aus rund 50 einzelnen Bauteilen. Chassiskomponenten, Reifen und Motor wurden jedoch noch konventionell gefertigt.