Von H. Krogh, P. Krix, M. Krust, G. Reinking
Hamburg. Die deutschen Premiumanbieter Audi, BMW und Daimler haben in China mit steigendem Druck aus der Politik zu kämpfen. Hinter den jüngst im Staatsfernsehen erhobenen Vorwürfen, die Unternehmen verwendeten gesundheitsschädliche Dämmstoffe in ihren Autos, wittern Manager und Branchenbeobachter gezielte Störmanöver aus der Politik. "Denen stinkt der deutsche Erfolg“, sagt eine Führungskraft des VW-Konzerns. "Gerade im Vergleich zur Schwäche ihrer eigenen Marken.“Jochen Siebert von JSC Automotive bestätigt den Befund: "Wir beobachten, dass in den Medien in China derzeit gegen ausländische Firmen Stimmung gemacht wird.“ Der Geschäftsführer des auf China spezialisierten Marktforschungsinstituts: "Der Abstand zwischen den ausländischen und den chinesischen Herstellern ist bei der Qualität allerdings so groß, dass dies keine Auswirkungen auf den Absatz haben wird.“"China stinkt der deutsche Erfolg"
Im Reich der Mitte sind Audi, BMW und Daimler jüngst vom Staatsfernsehen vorgeführt wurden. Angeblich dünsten einige Fahrzeuge der Unternehmen aus Deutschland bedenkliche Stoffe aus. Hinter den Vorwürfen vermuten Kenner der chinesischen Verhältnisse eine von der Politik initiierte Kampagne.
Schwarzer Peter für Hersteller von weißer Ware
Dennoch wächst die Unruhe unter den deutschen Unternehmen. "Wir nehmen das Thema sehr ernst und werden jede Beschwerde eines Kunden untersuchen“, erklärte ein Daimler-Sprecher auf Anfrage. Audi teilte nach Tests der umstrittenen Dämmstoffe mit: "Es wurden keine gesundheitsgefährdenden Emissionen festgestellt.“
China-Kenner erinnert die Berichterstattung im Staatsfernsehen CCTV an frühere Kampagnen. "Beim ‚Consumer Day' werden gern auch ausländische Marken attackiert“, weiß ein deutscher Automanager. Dies bekam 2011 etwa Bosch-Siemens-Hausgeräte zu spüren, als angeblich defekte Kühlschränke öffentlichkeitswirksam zertrümmert wurden.Im Reich der Mitte ist die Obrigkeit allgegenwärtig
"So eine Meldung verbreiten staatliche Medien nicht ohne Rückendeckung“, sagt Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, mit Blick auf die aktuellen Vorwürfe gegen die deutschen Autobauer. "Der Druck auf die westlichen Hersteller soll erhöht werden.“ Ähnlich urteilt Jürgen Pieper, Analyst beim Frankfurter Bankhaus Metzler: "Die Situation in China wird ein bisschen politischer.“
Das weiß auch Volkswagen. Vom 2. April an ruft der Hersteller in China nach vereinzelten Problemen mit DSG-Getrieben mehr als 384.000 Autos zurück. "Freiwillig“, wird offiziell betont. Gleichzeitig will VW die Qualitätssicherung (QS) auch in China stärken. "In jeder Region wird es künftig einen zentralen QS-Verantwortlichen geben“, heißt es in VW-internen Unterlagen. "Damit werden die Regionen stärker als bisher in die Pflicht genommen.“ Die Angst vor Fehlern wächst.
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