Altensteig. Der Hersteller von Abgasanlagen Friedrich Boysen bereitet einen Wachstumsschub vor. Derzeit werden beim Zulieferer fünf weitere Produktionsstätten aufgebaut. Neben Bremen und Ingolstadt entstehen auch Werke in Tuscaloosa (USA), East London (Südafrika) und Peking (China). Innerhalb der nächsten zwei Jahre will das Unternehmen rund 200 Millionen Euro investieren, um sich für die erwartete Auftragsflut zu wappnen: „Die Aufträge kommen ab 2014 zum Tragen“, erläutert Geschäftsführer Rolf Geisel. Ob auch in Mexiko oder Brasilien ein Werk entstehen wird, ist noch nicht entschieden. „2013 werden wir erstmals eine Milliarde Euro Umsatz erreichen. 2016 sind wir auf dem Weg Richtung 1,5 Milliarden Euro Umsatz“, so der Boysen-Chef. Für das abgelaufene Jahr taxiert er den Umsatz auf Vorjahresniveau, wo 969 Millionen Euro erlöst wurden. Bereits 2011 hatte der Abgasanlagenhersteller das Werk in Turmfeld für 50 Millionen Euro ausgebaut, um dort ab 2013 MAN mit Abgastechnik für Nutzfahrzeuge beliefern zu können. Geisel rechnet mit deutlichen Wachstumsimpulsen durch das Geschäft mit Abgastechnik für Nutzfahrzeuge und Fahrzeuge abseits der Straße, etwa Baumaschinen, Traktoren, Lokomotiven und Schiffe. Mittelfristig soll dieser Bereich rund 300 Millionen Euro Umsatz bringen.
Baufieber bei Boysen
Hauptkunden von Boysen sind aber nach wie vor die Premiumhersteller Audi, BMW und Mercedes. Derzeit wird zudem das Geschäft mit Volkswagen stark ausgebaut. „Ich sehe für uns weiterhin wenig Ansätze bei Marken wie Opel und Ford“, erklärt Geisel. Mitte 2012 hatte sich Boysen für ein neues Entwicklungszentrum in Nagold, 15 Kilometer entfernt vom Firmensitz in Altensteig, entschieden. In den nächsten zwei bis drei Jahren sollen dort 150 Entwicklungsingenieure eingestellt werden. Die Entwickler erhalten in dem Thinktank die Möglichkeit, losgelöst vom Tagesgeschäft Ideen voranzutreiben. „Wir beschäftigen uns heute schon mit Wärmetauschern, thermoelektrischen Generatoren, mit Blockheizkraftwerken, Energiekonzepten und ähnlichen Themen, jedoch noch nicht mit der Intensität, wie wir uns das wünschen würden“, erklärt Geisel. „Darüber hinaus werden wir in Nagold durch neue Prüfkonzepte in der Lage sein, unsere Entwicklungsarbeit zum Beispiel auch im Elektronikbereich innovativer und effizienter zu gestalten.“ Dem Manager ist es wichtig, die Entscheidungshoheit beim Unternehmen zu halten. Er verweist auf schlechte Erfahrungen mit einem 50 : 50-Gemeinschaftsunternehmen Ende der 1990er-Jahre in Indien. „So etwas wird es bei Boysen nicht mehr geben“, versichert er. Mögliche Partner hätten häufig eine andere Unternehmensphilosophie. „Das führt zu vielen Reibungsverlusten, und die können wir uns sparen.“ Alle weiteren Gesellschaften sind deshalb unternehmenseigene Töchter.