Leverkusen. Lanxess ist nach eigenen Angaben der weltweit größte Hersteller von synthetischem Kautschuk, einem Rohstoff für die Reifenfertigung. In den vergangenen zwei Jahren hatten die Leverkusener stark auf das Thema „grüne Mobilität“ gesetzt. Investiert hat Lanxess auch in Leichtbau-Kunststoffe für die Automobilbranche. Insgesamt macht Lanxess rund 40 Prozent seines Umsatzes von zuletzt 8,8 Milliarden Euro (2012) mit der Autobranche. Die neuartigen Kautschukmischungen sollten spritsparende Hochleistungsreifen ermöglichen und das Reifengeschäft kräftig ankurbeln. Dreistellige Millionenbeträge wurden in neue Anlagen investiert – just als die Autobranche im umweltbewussten Europa von einer neuen Krise erfasst wurde. Die geringere Nachfrage nach Reifen sorgte auch für deutlich gesunkene Preise für Kautschuk und synthetischen Kautschuk. Zudem blieb auch beim Endkunden bislang der große Durchbruch der „Ökoreifen“ aus. Der Abgang von Heitmann ist auch auf die Automotive-lastige Ausrichtung des Unternehmens zurückzuführen. Zwischen Heitmann und dem Aufsichtsrat soll es deshalb zuletzt kräftig geknirscht haben. Zachert dürfte nach Einschätzung aus Industriekreisen das Produktportfolio neu ausrichten und versuchen, die Abhängigkeit vom Autogeschäft zu verringern. Bereits Heitmann hatte im vergangenen Jahr im Automotive- Geschäft den Rückwärtsgang eingelegt und die Produktion einiger Produkte verringert. Im September hatte Lanxess ein Sparprogramm gestartet, mit dem bis Ende 2015 rund 100 Millionen Euro gespart werden sollen.
Vorstandswechsel
Zachert soll Lanxess aus der Reifen-Falle führen
Mit großen Erwartungen hat die Börse auf den Wechsel an der Spitze des unter Druck stehenden Spezialchemie-Konzerns Lanxess reagiert. Die Aktie des Leverkusener Unternehmens schoss im Februar nach monatelanger Talfahrt um acht Prozent in die Höhe, nachdem der Konzern überraschend mitgeteilt hatte, dass der langjährige Vorstandsvorsitzende Axel Heitmann durch Matthias Zachert ersetzt wird. Zachert, der von 2004 bis 2011 Finanzvorstand von Lanxess war und den Börsianern als kompetenter Restrukturierer gilt, soll den Vorstandsvorsitz Mitte Mai übernehmen. Er kommt vom Pharmakonzern Merck, wo er Finanzchef ist.