Frankfurt/Main. Eine der großen technischen Herausforderungen liegt für ihn im Bereich der Sensorik sowie der zuverlässigen Umfelderfassung und -modellierung. Um komplexe Szenarien, etwa einen unübersichtlichen Fahrbahnverlauf in Baustellen, einen Spurwechsel oder den Wegfall der Fahrbahnmarkierung erfassen zu können, muss die Umfeldsensorik auf 360 Grad erweitert werden. „Surround View“ heißt das Stichwort bei Conti. „Dieses Thema wird heute für viele Fahrer schon über die Rückfahrkamera ins Bewusstsein gerückt“, so Haupt. „Künftig brauchen wir aber Kameras an den vier Eckpunkten des Fahrzeugs. Ein Problem besteht darin, dass die Bilder so verrechnet werden müssen, dass für den Autofahrer ein verarbeitbares 3-D-Komplettbild entsteht, das einen Blick rund um das Fahrzeug ermöglicht.“ Diese Kompetenz habe man 2013 durch den Zukauf des englischen Spezialisten ASL Vision erworben. „ASL verfügt genau über die Kompetenz, um aus Datenmengen und Bildern ein solches Gesamtbild in 3-D entstehen zu lassen.“ Haupt rechnet damit, dass solche Systeme mit einer 3-D-Darstellung in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren in Fahrzeugen verfügbar sein können. „Das hängt natürlich auch von den Autoherstellern ab“, schränkt er allerdings ein. Ein Großteil der dafür benötigten Umfeldsensoren wie Kamera, Radar und Lidar, eine dem Radar verwandte Methode zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung per Laserstrahlen, hat der Zulieferer bereits in Serie beziehungsweise arbeitet an deren Evolutionsstufen. Um den nordamerikanischen Markt bedienen zu können, hat Conti erst im März am US-Standort Seguin (Texas) mit der Produktion von Nahbereichsradarsensoren für den Einsatz in Fahrerassistenzsystemen begonnen. „Das Ziel ist, im Jahr 2016 etwa drei Millionen Nahbereichsradarsensoren in Seguin zu produzieren“, erklärt Haupt. Zu den mit den Sensoren realisierbaren Funktionen zählen die Überwachung des toten Winkels und die Ausparkhilfe. Conti verzeichnet im Geschäft mit Umfeldsensoren, also mit Kamera-, Lidar- und Radar-Systemen, ein starkes Wachstum. Seit Produktionsbeginn 1999 hat der Zulieferer über zehn Millionen Sensoren gefertigt, davon allein im vergangenen Jahr 4,5 Millionen. Bis Ende kommenden Jahres sollen weitere 16 Millionen Sensoren hinzukommen, darunter etwa zehn Millionen Radarsensoren.
Continental rechnet mit 3-D-Systemen in drei bis fünf Jahren in Serie
Rundumsicht auf dem Display
Fahrerassistenzsysteme gehören zu den Wachstumstreibern der Continental-Division Chassis & Safety, wobei Umfeldsensoren ein wichtiger Baustein sind. Die Entwicklung reicht von einem Auto mit nur Basis-Assistenzsystemen wie etwa ABS über das assistierte bis hin zum automatisierten Fahren. „Der Vorteil des automatisierten Fahrens ist, dass es sich evolutionär und nicht revolutionär entwickelt“, erklärt Karlheinz Haupt, Leiter des Geschäftsbereichs Fahrerassistenzsysteme. Viele der dafür benötigten Technologien seien schon vorhanden, müssten aber weiterentwickelt werden.