Pforzheim/München. „Für mich waren schon als Fünfjähriger Autos interessanter als Wolkenkratzer“, sagt etwa der Niederländer Laurens van den Acker, seit 2009 Designchef von Renault. Er fing an wie die meisten Car-Junkies: „Ich zeichnete Autos aus Magazinen ab – und manchmal änderte ich ein Detail, weil es mir dann besser gefiel.“ Seinem Vorbild eifern viele Designer und Design-Studenten nach, die an einem der bekannten Wettbewerbe teilnehmen, etwa dem Peugeot Concours Design, dem Volkswagen Design Contest oder auch an speziellen Wettbewerben wie dem auf leichte Nutzfahrzeuge zugeschnittenen Design Your Ride Contest von Nissan. Die arbeitsintensive Teilnahme an einem Wettbewerb kann zum Erfolg führen, oft aber steht am Ende große Frustration, sagt Lutz Fügener, Professor für Transportation Design an der Hochschule Pforzheim. „Für manche Studierende spielen Designwettbewerbe eine große Rolle. Sie können damit nachweisen, dass sie im Bereich Automobildesign etwas können“, sagt Fügener. Dennoch empfiehlt er seinen Studierenden nicht, an solchen Wettbewerben teilzunehmen – zumindest nicht, solange sie noch an der Uni studieren. „Zum einen kostet das sehr viel Zeit, was auf Kosten des Studiums geht. Und dann kommt es sehr darauf an, wer den Wettbewerb ausschreibt“, erläutert Fügener. „Wenn dadurch das Entree in ein Unternehmen gelingt, ist das natürlich positiv.“ Doch das sei keineswegs immer so: „Ein wesentliches Motiv der Autohersteller, eigene Designwettbewerbe auszuloben, besteht darin, frische Ideen nahezu zum Nulltarif zu bekommen. Das ist oft effizienter und günstiger, als kostspielige Kundenbefragungen vorzunehmen.“ Viele Wettbewerbsentwürfe von angehenden Designern würden bei der Preisverleihung leer ausgehen, vom Autohersteller aber penibel ausgewertet – und ausgeschlachtet, berichtet Fügener. „Meistens sind gerade diejenigen Entwürfe wertvoller, die nicht so spektakulär sind, sondern mehr Praxisrelevanz aufweisen.“ Freilich weiß auch Fügener, dass Autohersteller täglich eine Flut an Bewerbungen erhalten. „Da zählt eine gute Wettbewerbsarbeit oft mehr als ein hervorragend abgeschlossenes Studium“, räumt er ein.
Designwettbewerbe
Frische Ideen zum Nulltarif
Für viele junge Zeichner und Auto- Enthusiasten sind Designwettbewerbe eine mögliche Eingangstür in die Welt des Automobildesigns. Doch neben Talent gehört auch ein Quäntchen Glück dazu, um auf diesem Weg Aufmerksamkeit zu erregen und eines Tages im Designzentrum eines Autoherstellers arbeiten zu können.