Ludwigsburg. Im Zentrum der Entwicklung steht die sogenannte Smart Factory. Ermöglicht wird diese intelligente Fabrik durch das Internet der Dinge und Dienste. Es vernetzt die Fertigungshallen und das gesamte Produktionsumfeld mit der jeweiligen Umgebung. Für die Untersuchung hatte die Prozess- und IT-Beratung MHP 227 Entscheider aus der Automobil- und Fertigungsindustrie befragt. Fahrzeughersteller (39 Prozent) und Autozulieferer (24 Prozent) bildeten dabei die größten Gruppen. Laut Oliver Kelkar, Leiter Innovationsmanagement bei MHP, „konnten 24 Prozent der Befragten mit dem Begriff Industrie 4.0 nichts anfangen“. Während der Maschinen- und Anlagenbau bereits sehr vertraut mit dem Thema ist (92 Prozent), besteht bei Autozulieferern (77 Prozent) und Fahrzeugherstellern (66 Prozent) noch Nachholbedarf. Kelkar führt dies darauf zurück, dass der Maschinen- und Anlagenbau in Zukunft nicht nur Anwender von Industrie- 4.0-Konzepten sein wird, sondern auch deren Anbieter.
Führungsebene als Treiber
Über 80 Prozent der Befragten erwarten sich durch Industrie 4.0 Chancen für ihr Unternehmen. Allerdings glauben nur 50 Prozent der Studienteilnehmer, dass Deutschland dabei eine Vorreiterrolle einnehmen wird. Die Treiber von Industrie 4.0 sind in den meisten Unternehmen die Führungskräfte. „Industrie 4.0 ist ein Chef-Thema“, stellt Kelkar fest. Während 85 Prozent der oberen Führungsebene der Begriff Industrie 4.0 bekannt ist, sind es in der operativen Ebene lediglich 44 Prozent. Und es gibt Widerstände, Industrie 4.0 in den Unternehmen umzusetzen. Die fehlende Transparenz des wirtschaftlichen Nutzens und die notwendigen Anpassungen von Prozessen und der Arbeitsorganisation werden mit jeweils 17 Prozent als die größten Hemmnisse für die Umsetzung der vierten industriellen Revolution angesehen. 15 Prozent bewerten die erforderlichen Standardisierungen als hinderlich. Durch die intensive Vernetzung bei der Umsetzung von Industrie 4.0 vor allem über das Internet sind die Unternehmen zunehmend Risiken ausgesetzt. Als hoch wurde das Gefahrenpotenzial durch Wirtschaftsspionage eingeschätzt. Die Firmen fürchten zudem Imageschäden durch Produktpiraterie, sollten aufgrund der Vernetzung Informationen zur Produktherstellung in fremde Hände geraten. Ein eher niedriges Gefahrenpotenzial sehen viele der Befragten im Ausfall von Produktionsanlagen – zum Beispiel durch Sabotage – und den damit verbundenen Regressansprüchen.