München. In jüngster Zeit gab es eine auffällige Häufung von Wechseln bei den Autoimporteuren in Deutschland (siehe Grafik). Mancher Geschäftsführer musste vor Ablauf seines Vertrags gehen, verließ das Unternehmen auf eigenen Wunsch oder wurde in die Europa-Zentrale abgeschoben. Dabei konnten nahezu alle Verantwortlichen durchaus eine ordentliche Erfolgsbilanz aufweisen – sei es beim Ergebnis, beim Absatz oder bei der Netzentwicklung. Doch offenbar reicht dies immer seltener aus. Ein wesentlicher Grund dafür ist der Erfolg der deutschen Hersteller, der den ausländischen Autobauern wenig Spielraum zum Ausbau ihrer Marktanteile lässt. „Der Geduldsfaden ist kürzer geworden. Eine positive Entwicklung muss heute schneller erkennbar werden als noch vor zehn Jahren“, sagt etwa Heiner Fischer, Managing Partner bei dem auf die Autobranche und Neue Medien spezialisierten Personalberater Herbold Fischer Associates. Er sieht hier aber keine kurzfristige Entwicklung: „Das Personalkarussell bei den Führungskräften dreht sich immer schneller – das beobachten wir schon seit Jahren.“ Besonders ausgeprägt sei diese Ungeduld in kapitalmarktgetriebenen Unternehmen, die sich von Quartal zu Quartal beweisen müssten. „Im Mittelstand hat man meist einen längeren Atem. Gerade im deutschen Mittelstand ist das sehr ausgeprägt.“ Auch M. Jon Nedelcu, Managing Director der auf die Suche von Führungskräften spezialisierten Nedelcu & Company GmbH in München, beobachtet eine wachsende Ungeduld bei den Shareholdern: „Führungskräfte bei den in Deutschland aktiven Automobilimporteuren werden vielleicht zu schnell ausgetauscht. Um Erfolg zu haben, braucht ein Geschäftsführer eine Zeitspanne von mindestens drei Jahren. Die bekommt aber nicht jeder.“ Nedelcu zufolge steckt hinter vielen Personalrochaden ein einfaches Prinzip: „Wenn die Ergebnisse aus Sicht des Autoherstellers unbefriedigend sind, ist es leichter, die Führung vor Ort auszutauschen, als nach den wahren Gründen zu suchen und gezielte Maßnahmen zur Korrektur einzuleiten.“ Auch Recruiting-Experte Fischer sieht den Einfluss der Konzernleitungen überwiegend kritisch: „Da wird sehr viel hineinregiert in das Deutschland-Geschäft. Oft geht es dabei nicht einmal um wichtige Themen, sondern um Nebensächlichkeiten.“ Die Ursache, so Fischer, sei eine andere: „Daran erkennt man, dass es im Grunde um die Führungsstrukturen geht.“ Personalberater Nedelcu kommt zu einem ernüchternden Fazit: „Oft werden entscheidende Faktoren für den Unternehmenserfolg vernachlässigt, nämlich Strategie, Qualität in der Führung, Kontinuität und Disziplin.“ Viele Autobauer seien im Bereich Produktentwicklung und Fertigung hervorragend und hätten enorme Fortschritte erzielt. „Vorsichtig formuliert haben Marketing und Vertrieb allerdings noch nicht das gleiche Niveau. Da könnte die Autobranche noch viel von anderen Branchen lernen.“
Verweildauer sinkt
Kommen und Gehen bei den Importeuren
Dreht sich das Karussell für Topmanager in der Autobranche immer schneller? Erfahrene Headhunter aus der Automotive-Welt sehen Anzeichen dafür, dass die Zentrifugalkräfte vor allem für die Importmarken in Deutschland stärker werden.