Weinheim. Bei dem neuen Dichtungstyp von Freudenberg Sealing Technologies, der größten Geschäftsgruppe von Freudenberg, besteht der wesentliche Unterschied zu einer Standarddichtung darin, dass die beiden Gleitflächen im Betrieb nicht durch einen Ölfilm, sondern durch ein dünnes Luftpolster voneinander getrennt werden. Dadurch wird der Leistungsverlust einer Kurbelwellendichtung gegenüber einer Standard- PTFE-Dichtung um bis zu 90 Prozent verringert. Die CO2-Emission durch die Reibung an der Dichtstelle sinkt von 0,5 bis 1,0 Gramm pro Kilometer auf unter 0,1 Gramm, bezogen auf den Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ). „Für 2017 rechnen wir mit einem ersten Serieneinsatz“, erklärt Torsten Maschke, President Sales and Marketing Automotive bei Freudenberg Sealing Technologies. Ob es sich dabei um einen Einsatz in einer neuen oder überarbeiteten Motorengeneration handelt, lässt er allerdings offen. Doch Potenzial sieht der Manager nicht nur für den Einsatz bei Kurbelwellen: „Wir sind auf der Suche nach weiteren Anwendungsfeldern, beispielsweise beim Abdichten von Getrieben.“ Bewährt hat sich die Technik nach Angaben des Managers übrigens schon in der Industrietechnik bei Turbokompressoren. Auch wenn die Dichtungslösungen des Unternehmens in erster Linie bei Verbrennungsmotoren eingesetzt werden, schreckt Maschke die Elektromobilität nicht. So stecken im Chevrolet Volt beispielsweise über 600 Produkte des Zulieferers. „Der Umsatz, den wir pro Fahrzeug beim Volt beziehungsweise dem baugleichen Opel Ampera erzielen, ist etwa doppelt so hoch wie bei einem konventionell angetriebenen Fahrzeug mit Dichtungstechnologie von uns“, so Maschke. Ein Schwerpunkt des Zulieferers bei seinen Entwicklungen liegt auf dem Thema Leichtbau. Die Substitution von Metall durch Kunststoff spart nicht nur bis zu 50 Prozent Gewicht. Kunststoffkomponenten bieten zudem ein höheres Potenzial bei der Integration zusätzlicher Funktionen oder Bauteile und eröffnen Ingenieuren erheblich mehr Designfreiheiten als Metallkomponenten, heißt es beim Unternehmen. Freudenberg Sealing Technologies erwirtschaftet rund 50 Prozent seines Umsatzes im Bereich Automotive. Bei der Freudenberg- Gruppe beträgt der Anteil des Automobilgeschäfts etwa ein Viertel am Gesamtumsatz, der im vergangenen Jahr bei rund 6,6 Milliarden Euro lag.
Gasgeschmierte Dichtung
Der Trick mit dem Luftpolster
Die Dichtungsspezialisten von Freudenberg haben mit der gasgeschmierten Gleitringdichtung Levitex eine Entwicklung im Portfolio, die in den kommenden Jahren zu einem wichtigen Umsatzträger werden soll. Unter dem Namen LESS („Low Emission Sealing Solutions“) bündeln die Weinheimer eine Reihe gewichtsreduzierter und ressourcenschonender Produkte – wie Levitex.