Frankfurt/Main. „Auch 2020 werden gewebte CFK- und GFK-Komponenten, trotz steigender Skaleneffekte, kostenseitig gegen Stahl und Aluminium nicht wettbewerbsfähig sein“, urteilt Wolf-Dieter Hoppe, Leiter des Bereichs Automotive Innovation bei PwC Management Consulting. Bis 2020 rechnet PwC mit einer Absenkung der Produktionskosten von verstärkten Kunststoffen um rund 30 Prozent. „Für einen erfolgreichen Einsatz im Volumensegment ist jedoch eine Verringerung um 60 Prozent notwendig“, sagt Christoph Skudelny, Partner bei PwC. Für weniger beanspruchte Komponenten würden statt der teuren CFK- und GKF-Werkstoffe in naher Zukunft günstigere Leichtbaumaterialien wie etwa Nylonstrukturen interessant werden, erwartet Hoppe. Skudelny weist noch auf weitere ungelöste Probleme hin: „Für die erfolgreiche Anwendung im Volumenbereich müssen auch Kernfragen wie die Entwicklung entsprechender Service- und Reparaturkonzepte beantwortet werden.“ Auch in der Entwicklung haben es Composite- Ingenieure noch schwer: Derzeit gibt es kaum Software, mit der Composite-Werkstoffe virtuell gecrasht werden können. Angesichts dieser Hürden warnt Automotive- Berater Hoppe vor allzu optimistischen Erwartungen in der Carbon-Branche: „Ein zusätzlicher Value Add, der den Kostennachteil ausgleicht, ist entscheidend.“ Trotz der bremsenden Faktoren rechnet aber auch PwC mit einem „signifikanten“ Wachstum beim Einsatz von faserverstärkten Kunststoffen bis 2020. „CFK hat den Eintritt in das automobile Volumensegment erfolgreich vollzogen“, so Skudelny. Deutlich mehr Schub für Komposit-Materialien erwartet PwC ab etwa 2018, wenn immer mehr Bauteile von der Autoindustrie als „compositefähig“ erachtet werden (siehe Tabelle).
Exklusive PwC-Studie
Composites noch zu teuer
Die aktuelle Produktionstechnik bei carbon- und glasfaserverstärkten Kunststoffen ist noch nicht großserientauglich. Die technisch oft überzeugenden Werkstoffe können sich deshalb in den nächsten sechs Jahren trotz sinkender Kosten preislich noch nicht gegen die etablierten Werkstoffe Aluminium und Stahl behaupten. Zu diesem ernüchternden Fazit kommt die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) in der exklusiv für die Automobilwoche erstellten Studie „Composites in the Automotive Industry“.