Leverkusen. „Wenn ein großer Lieferant sein Geschäft neu ausrichtet und organisiert, ist das immer ein Grund, um ganz genau hinzusehen“, sagt der Einkaufschefs eines deutschen Zulieferers, der Kunde von Bayer ist. „Das Kunststoffgeschäft wird künftig keine Sparte mehr sein, sondern ein eigenständiges Unternehmen, dessen Umsatz und Ertrag von der Börse bewertet werden. Das könnte Folgen für die Preisgestaltung, das Produktportfolio und die Entwicklungsschwerpunkte haben“, so der Manager. Die Bayer-Sparte MaterialScience steuert bislang zwar fast 30 Prozent zum Konzernumsatz bei, aber nur 14 Prozent zum operativen Gewinn. Der Geschäftsführer eines weiteren Bayer-Kunden befürchtet, dass nach dem Börsengang vor allem die Rentabilität gesteigert werden soll: „Wir haben ein Schreiben des Herstellers erhalten, demzufolge das Geschäft wie bisher weitergeführt werden soll. Ich gehe aber davon aus, dass das neue Unternehmen noch schlanker und ertragsorientierter aufgestellt werden wird. Für uns könnte das schwierigere Verhandlungen bedeuten.“ Ein Bayer-Manager wollte sich zur geplanten Neuaufstellung vorerst nicht äußern. Stattdessen erklärte ein Unternehmenssprecher: „Mittelfristig wird sich gar nichts ändern. Wir leben von der Zufriedenheit unserer Kunden und wollen selbstverständlich auch im neuen Unternehmen alle Kundenbeziehungen für beide Seiten erfolgreich fortführen.“ Der Prozess zur Abtrennung von MaterialScience habe gerade erst begonnen und werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen, fügte der Sprecher hinzu. Der neu zu schaffende Kunststoffspezialist soll spätestens Ende 2016 an die Börse gehen. Wesentlich gestaltet wird der Börsengang vom neuen Finanzvorstand der Sparte, Frank Lutz. Er folgte zum 1. Oktober auf Axel Steiger-Bagel.
Bayers Börsenpläne sorgen für Unmut
Bayer-Vorstandschef Marijn Dekkers hatte bei der Bekanntgabe der Abspaltung von Material Science erklärt, das neue Unternehmen solle zum weltweit führenden Anbieter von Polymeren gemacht werden. Auch zu solchen Positionierungen haben manche Kunden eine kritische Haltung: „Wenn ein Lieferant eine führende Position innehat, versucht man immer, eine Balance zu schaffen und neue Lieferanten aufzubauen. Sonst könnte man zu abhängig von einem Lieferanten werden“, sagt dazu ein Einkäufer eines weiteren Bayer-Kunden. „Führender Lieferant zu sein, kann positiv für einen Kunden sein“, sagt dazu der Geschäftsführer eines anderen Unternehmens. „Ein Marktführer kann Innovationen vorantreiben, aber auch Preise vorgeben. Man muss sehen, wie sich Bayer da positioniert.“