Den undankbarsten Job der Automobilindustrie hat derzeit Volkswagen-Chef Matthias Müller. Glauben alle. Vor einer ähnlichen Herkulesaufgabe steht aber auch ein Manager, den kaum jemand kennt. Claus Rudolf leitet seit 2015 die Europa-Geschäfte des japanischen Zulieferers Takata, der Rückhaltesysteme wie Airbags und Gurte an alle großen Hersteller der Welt liefert. Unter normalen Umständen eine Top-Position, die sich der 48-Jährige mit dem kahlen Schädel und markanten Rauschebart als erster nicht japanischer Entwicklungschef des Unternehmens mit weltweit 50.000 Mitarbeitern hart erarbeitet hat.
Wie bei VW, nur schlimmer
Doch die Umstände sind nicht normal. Denn Takata sieht sich mit einer Rückrufwelle konfrontiert, die das doppelte Ausmaß derjenigen von VW erreicht hat. Allein in den USA müssen nach Angaben des Unternehmens 24 Millionen Autos mit Takata-Airbags in die Werkstatt. Im Falle einer Auslösung können Teile der Verkleidung absplittern und durch den Innenraum fliegen. Die US-Verkehrsaufsicht bringt mehrere Todesfälle und Dutzende Verletzte mit der Fehlfunktion in Verbindung.
Obwohl Claus Rudolf nicht das Amerika-Geschäft verantwortet, ist er doch als Krisenmanager gefordert. So müssen die Standorte in Deutschland wie etwa im sächsischen Freiberg mithelfen, genügend Gasgeneratoren für die Austauschaktion herzustellen. Zum anderen ist Deutschland ein Zentrum der Entwicklung und beispielsweise gefordert bei der Ursachenforschung und der Suche nach Ersatz-Treibstoffen für das umstrittene Ammoniumnitrat.
Wenn Rudolf in Aschaffenburg durch die Hallen läuft, begrüßen ihn viele Mitarbeiter per Du. Derzeit aber ist der Chef selten zu sehen. Er sitzt häufig im Flieger nach Tokio. Dort laufen die Verhandlungen mit den Autobauern über die Rückrufe und Schadenersatzforderungen.
Auf die Frage, ob die Krise für Takata noch beherrschbar sei, gibt Claus Rudolf im Gespräch eine ausweichende Antwort: "Ich weiß, dass ich jeden Tag mit vollem Einsatz daran arbeite, Lösungen für die Kunden und Behörden zu finden." Bei Volkswagen-Chef Matthias Müller hört sich das ganz ähnlich an.