München. Aus eigener Kraft haben sich die US-Zulieferer von der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 erholt. Für Jan Dannenberg, geschäftsführender Partner bei der Unternehmensberatung Berylls Strategy Advisors, ist ihr Wiedererstarken "auf eine Portfoliobereinigung, sehr gezielte Akquisitionen und bei einigen ausgewählten Unternehmen auch auf Wachstum in Innovationsfeldern zurückzuführen".
Obwohl beim Erlös zuletzt wenig Luft nach oben war, konnten die Erträge dennoch gesteigert werden. "Bei den 25 größten US-Zulieferern registrieren wir seit dem Jahr 2012 bei der Umsatzentwicklung tendenziell eine Seitwärtsbewegung", so Dannenberg. Im Vergleich dazu war die Ergebnisentwicklung "in der Summe klar positiver". Beim Umsatz ging es für die Top 25 der US-Zulieferer seit 2010 um 24 Prozent nach oben. Der Gewinn sei hingegen im Schnitt um 78 Prozent gewachsen, analysiert Dannenberg auf Grundlage der Zahlen von 16 Unternehmen, für die von 2010 bis 2015 durchgängig Zahlen vorliegen. Zudem habe knapp sechs Jahre lang keiner der amerikanischen Top-25-Zulieferer einen Verlust eingefahren. "Das zeigt, wie gesund momentan die Zulieferindustrie in Nordamerika ist."
Doch das schöne Bild trübt sich bereits ein. "In den USA erreichen wir derzeit das Plateau. Viel mehr als die 17,5 bis 18 Millionen Fahrzeuge, die derzeit hier verkauft werden, wird es nicht geben", erklärt Thomas Wendt, Senior Partner bei Roland Berger. "Das heißt, für die US-Zulieferer gibt es auf ihren Heimatmärkten nur noch ein abgeschwächtes Wachstumspotenzial. In den vergangenen zwei Jahren hatten die Zulieferer bereits mit erheblichen Problemen in Brasilien und Russland zu kämpfen", so Wendt.
Und es gibt weitere Gefahren: "Viele Unternehmen sind nur unzureichend auf die Bedrohung aus dem Technologiesektor eingestellt." Wendt rechnet damit, dass die gesamte Industrie durch disruptive Marktteilnehmer aus dem Silicon Valley durcheinandergewirbelt wird. "Anschließend wird es neue Machtverhältnisse in der Industrie geben."
Getrieben werden die Unternehmen laut Wendt durch Trends wie autonomes Fahren, ökologische Nachhaltigkeit, Big Data, neue Mobilitätskonzepte und Konnektivität. "Diese Bedrohung betrifft nicht nur US-Unternehmen, sondern alle globalen Marktteilnehmer", macht er deutlich.
Die in der Automobilindustrie bislang gewohnte Wertschöpfungskette vom Zulieferer zweiten Ranges über den Zulieferer ersten Ranges zum Fahrzeughersteller werde sich weitgehend auflösen "und durch ein neues, kollaboratives Eco-System ersetzt werden", so Wendt.