Brüssel. Die europäische Autoindustrie muss ihre Fahrzeuge zwar künftig auf der Straße statt im Labor testen lassen, dafür hat ihr Brüssel nun aber äußerst faire neue Rahmenbedingungen gesetzt: Ab September 2017 dürfen Diesel-Pkw im realen Fahrbetrieb bis zu 2,1-mal mehr Stickoxid ausstoßen als heute. Derzeit gilt der Labor-Höchstwert von 80 Milligramm NOx pro Kilometer, ab September kommenden Jahres werden es 168 Milligramm sein. Dann aber im sogenannten RDE-Verfahren. RDE steht für Real Driving Emissions, also Straßentests.
Entsprechend positiv fielen die Reaktionen der Industrie aus. "Die RDE-Vorgaben beschleunigen eine Flottenerneuerung mit besonders schadstoffarmen Euro-6-Fahrzeugen", erklärte Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie. Auch der europäische Branchenverband ACEA zeigte sich mit der Entscheidung des EU-Parlaments, den Vorschlägen der EU-Kommission zuzustimmen, zufrieden. Sie fiel auch äußerst knapp aus: 323 Abgeordnete stimmten dafür, 317 dagegen. Der Umweltausschuss des Parlaments hatte sich gegen die Vorlage ausgesprochen.
Die neuen Grenzwerte sind in Stufen geregelt. Ab 2020 soll im Prinzip Gleichstand mit den heutigen Laborwerten erreicht werden. Doch auch hier konnte die Autoindustrie einen Erfolg verbuchen: Für die Straßentests gibt es ab 2020 einen Aufschlagsfaktor für Messungenauigkeiten von 0,5.
Darüber zürnt die Nichtregierungsorganisation Transport & Environment: "Es ist schändlich, dass die einflussreichsten europäischen Nationen weiter glauben, es sei gut für ihre Automobilindustrie, schmutzige Diesel beizubehalten."