Die Consumer Electronics Show entwickelt sich zum Branchenschreck. Das Hightech-Treffen in Las Vegas hat binnen weniger Jahre enorm an Einfluss auf die Autoindustrie gewonnen. Autohersteller und Zulieferer können deshalb nicht bloß zuschauen, wenn in Vegas branchenfremde Firmen die Trends setzen. Sie müssen mit ihren technologischen Neuheiten in die Offensive gehen und zeigen: Diese Party wird nicht ohne uns stattfinden.
Der VW-Konzern hat die CES genutzt und so etwas wie einen Steckdosen-Retro-Bulli ("BUDD-e") vorgestellt. VW-Markenchef Herbert Diess nennt seinen krisengeschüttelten Arbeitgeber gar schon "Das neue Volkswagen". Das ist Wunschdenken. Aber auch wenn hier etwas vorschnell die Neugeburt des Konzerns ausgerufen wird: Der – abgasfreie – "BUDD-e" lenkt zunächst einmal angenehm ab von der ständigen Negativberichterstattung über Diesel-Skandale "made in Germany".
Der Aufschlag deutscher Hersteller in Vegas zeigt: VW, Mercedes und BMW wollen das Geschäft mit der Digitalisierung nicht den Firmen aus dem Silicon Valley überlassen. Sie befürchten, dass ein weiterer erheblicher Teil der Wertschöpfung am vernetzten Auto abfließen könnte – hin zu jenen Startups und Internetkonzernen, die die Hoheit über die Algorithmen haben. Wer die Software hat, hat gewonnen. Schon jetzt ist der Anteil der Hersteller an der Wertschöpfung eines Fahrzeugs nur noch gering.
Auch strategische Allianzen mit Start-ups können eine Lösung sein, um sich Know-how ins Haus zu holen. Doch die Autoindustrie darf die Wortführerschaft beim Auto nie aus der Hand geben; es muss immer klar sein, wer der Chef im Hause ist. "It's the software, stupid", mag es aus dem Silicon Valley heißen. Doch ohne Hardware kein Auto. Die Car Guys schlagen zurück.