Diese Mail kann für Martin Winterkorn gefährlich werden. Wie jetzt bekannt wurde, soll der frühere VW-Chef bereits im Mai 2014 gewarnt worden sein, dass die Stickoxidwerte von VW-Dieseln in Tests viel zu hoch seien und die US-Umweltbehörde bereits den Verdacht hege, es könne eine Testerkennung vorliegen. Das war 17 Monate, bevor die Manipulation ans Licht kam.
Die Existenz dieser Mail beweist nicht, dass Winterkorn zu dem Zeitpunkt auch von der Schummelsoftware wusste. Aber er musste doch eine Ahnung gehabt haben, was diese Information für Folgen haben könnte. Ein so gut unterrichteter Manager, dem man nachsagt, selbst die Spaltmaße eines für Indien homologierten Fabia aus dem Stand zu wissen, soll ausgerechnet von einem so dicken Ding im Konzern nichts gewusst haben?
Mehr als Vermutungen gibt es nicht, und wird es vielleicht auch nie geben. Aber sollte Winterkorn sich nicht gekümmert haben, ist das mindestens unbedacht, wenn nicht fahrlässig. Denn bei einer schnellen Reaktion hätten womöglich Milliarden der jetzt drohenden Strafzahlungen und Bußgelder gerettet werden können.
Wer wusste wann was? Der Betrug wirft auch die Frage nach der Corporate Governance auf. VW hat zentrale Vorschriften des Kodex schlicht missachtet. Darin heißt es: "Der Vorstand informiert den Aufsichtsrat regelmäßig, zeitnah und umfassend." Ist das passiert? "Der Vorstand hat für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen zu sorgen." Gilt das nicht für die USA? "Der Aufsichtsrat überwacht den Vorstand." Hat er überwacht? Und: "Vorstände dürfen vor Ablauf von zwei Jahren nach dem Ende ihres Mandats nicht Aufsichtsratsmitglied werden." Ex-Finanzchef Hans Dieter Pötsch ist aber problemlos direkt ins Kontrollgremium gewechselt.
Pötsch soll jetzt die Aufarbeitung des Skandals überwachen und vorantreiben, der in die Zeit seines Ex-Chefs und Vertrauten fällt – und seiner eigenen Zeit als Vorstand.