München. Daimler gönnt sich 2015 keine Verschnaufpause. Alle Mercedes-Benz-Fahrzeug- und Aggregate-Werke in Deutschland arbeiten in den Sommermonaten durch. Das geht nur mit Ferienjobbern, und die ersten sind schon da. Insgesamt 13.200 werden es laut Daimler von Juli bis September sein, die meisten davon in Untertürkheim und in Rastatt. 2014 waren es nur 7600. So wie Daimler behelfen sich 2015 auch andere Hersteller und Zulieferer mit Ferienjobbern und fahren Sonderschichten. Das zeigt eine Umfrage der Automobilwoche in der Branche. Dies liegt einerseits an der hohen Nachfrage mit erwarteten Absatzrekorden. Andererseits sind die Sommeroffensiven eigenen aggressiven Wachstumszielen geschuldet.
Aber nicht alle Hersteller halten ihre Werke offen. Wegen der guten Nachfrage ist das Volkswagen-Werk Wolfsburg mit den Modellen Golf, Sportsvan, Touran und Tiguan über den Sommer ausgelastet. Mehrere Tausend Stammmitarbeiter werden mit Ferienkräften im eigentlichen Werkurlaub im Zweischichtbetrieb durcharbeiten. Über 3000 junge Ferienarbeiter unterstützen die Produktion. Auch am Standort Zwickau werden Golf und Golf Variant ohne Unterbrechung weitergebaut. Hier sind 600 Ferienhelfer beschäftigt.
Audi mit Sonderschichten
Bei Audi werden in den ersten sieben Monaten 54 Sonderschichten an den deutschen Standorten Ingolstadt und Neckarsulm gefahren. In Ingolstadt werden Ferienbeschäftigte in der Fertigung und in der Logistik eingesetzt. Audi hatte dafür im Frühjahr 1500 Stellen ausgeschrieben. Dafür ist Ingolstadt aber im August vier Wochen lang produktionsfrei. Grund sind Umbauten im Fertigungssegment A3. „Auch für das Segment A4/A5/Q5 wurde eine abgesenkte Fahrweise vereinbart“, so Audi. Die Mitarbeiter der Fertigung im Werk Neckarsulm haben drei Wochen Produktionsruhe. Hier werden keine Ferienjobber benötigt.
Andere Autobauer machen normal Betriebsurlaub. Bei Porsche in Zuffenhausen sind es im August drei Wochen und in Leipzig zwei Wochen. Ferienjobs werden nicht vergeben. Auch die Opel-Werke werden wie üblich allesamt drei Wochen Pause einlegen.
Und die Zulieferer? Sie müssen ohnehin extrem flexibel sein, um auf Kundenwünsche reagieren zu können. Bei Continental gibt es keine Werksferien, „da wir an ganz unterschiedliche Kunden liefern, die ihre Produktionslinien den Sommer über zum Teil weiterfahren“, heißt es beim Zulieferer. Über den Einsatz von Ferienarbeitern würden die Standorte individuell entscheiden. Geplant sind an deutschen Standorten wie Regensburg, Nürnberg, Villingen oder Karben bis zu 500 Ferienjobber. Einsatzbereiche sind sowohl Produktion als auch Logistik. Im Zulieferkonzern ZF kommen im Sommer 2015 allein am Standort Friedrichshafen 1000 Ferienarbeiter zum Einsatz. In der Regel arbeiten die Schüler und Studenten in der Produktion oder in produktionsnahen Bereichen wie Montage, Logistik oder Versand. Betriebsruhetage werden laut ZF je nach kapazitativen Erfordernissen an den Standorten festgelegt.