Begriffe wie Unternehmenskultur und Führungskultur haben Konzernmanager früher gern als weiche Blabla-Themen abgetan. Ganz oben zählte nur das Geschäft. Doch mit Blick auf den VW-Skandal wird die Diskussion über Firmenkulturen gerade sehr ernsthaft geführt. Denn bei VW werden eine autoritäre Führung sowie der Mangel an Transparenz und Kritikfähigkeit als Ursachen für die Schummeleien genannt. Der Skandal sei das Ergebnis von Druck und Angst.
Die vergangenen 15 Jahre waren in Wolfsburg reich an Erfolgen, deswegen kann dort auch nicht alles schlecht gewesen sein. Doch geendet ist diese Ära, das ist Fakt, im größten anzunehmenden Desaster.
Dabei haben sich bereits viele Unternehmen der Autoindustrie einem Kulturwandel unterzogen. Vor allem der Blick ins Silicon Valley hat in den Köpfen deutscher Manager vieles in Bewegung gesetzt. Dort sitzen Gründer, die ihre Mitarbeiter zu Kreativität animieren, die ihnen Raum lassen und sich zunächst nicht um Businesspläne scheren. Und diese Firmen könnten bald schon Wettbewerber der deutschen Autobranche sein.
Darauf reagiert man hier. Daimler hat jetzt eine neue Form der Konzernführung angekündigt, um den digitalen Wandel zu meistern. Offenheit, Lernfähigkeit, Tempo sind die Schlagworte. Der Zulieferer Bosch, dessen Zukunft die Vernetzung ist, fördert Ideen in der Belegschaft. Dafür gibt es jetzt einen Kreativraum im zwölften Stock ihres Campus, wo Mitarbeiter Zeit zur freien Verfügung haben. BMW ist unter Absolventen deswegen so beliebt, weil der Autobauer die Entwicklung der Beschäftigten fördert, weil er Ausflüge in andere Gefilde zulässt, weil Diskussionen zwischen den Hierarchien erlaubt sind.
Das heißt für die Zukunft: mehr Lust, weniger Last, mehr Transparenz, weniger Tretmühle, mehr Authentizität, weniger Autorität. Der "Spiegel" hat VW einmal als "Nordkorea minus Arbeitslager" beschrieben. Aus Nordkorea muss jetzt Südkorea werden. Das wird sehr, sehr lange dauern.