Frankfurt/Main. Die Autobranche befindet sich mitten in einem historischen Umbruch. Die Automatisierung und Vernetzung des Fahrens, der Einzug neuer Dienstleistungen, die Neudefinition persönlicher Mobilität, das Auftauchen neuer Wettbewerber und die Herkulesaufgabe Emissionsminderung sorgen in den Chefetagen für wachsende Ungewissheiten.
Die Entwicklungsbudgets steigen immer weiter, doch die Gewinnmargen geben immer weniger Spielraum für Trial-and-Error-Entwicklungen. Jede Neuerung muss sitzen. Viele Automobilmanager treibt die Sorge um, dass die Kunden mit den Achseln zucken und Innovationen kaum mehr wahrnehmen oder gering schätzen.
Selbst der sonst so selbstgewisse Renault-Nissan-Präsident Carlos Ghosn räumte auf der IAA in Frankfurt ein, dass das Automobilgeschäft so unkalkulierbar wie noch nie geworden ist: "In den nächsten zehn Jahren wird es eine Menge disruptiver Entwicklungen in der Branche geben." Nur sei es leider nicht klar, welche sich durchsetzen würden, fügte er ironisch hinzu.
"Es ist sehr schwierig geworden, sichere Vorhersagen über die Dynamik der Veränderungen zu treffen", sagt auch Peugeot-Markenchef Maxime Picat. So hat sich PSA zwar entschieden, die Baureihenvielfalt seiner Marken zu reduzieren. Doch wie genau die neue Produktlinie aussehen soll, ist ständigem Wandel unterworfen. "Fest steht, dass die 13 Autos, die wir derzeit bei Peugeot haben, nicht mehr die 13 sein werden, die wir in zehn Jahren den Kunden präsentieren werden", sagt Picat.
PSA-Entwicklungschef Gilles Le Borgne nennt noch eine weitere Gefahr: "Das Risiko des Overengineering ist heute so hoch wie noch nie. Die Technologien, die wir heute anstoßen, müssen in vier oder acht Jahren den Zeitgeist treffen – und sie müssen bezahlbar bleiben."