München. Veronika Ulbort, Partnerin beim Personalberater Odgers Berndtson, widerspricht solchen Stereotypen. Im neuen „Manager-Barometer 2015“, an dem gut 2000 Führungskräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teilnahmen, kommt die Headhunterin zu einem ganz anderen Ergebnis: „Die von uns befragten Managerinnen investieren mit rund zwei Drittel ihrer Zeit sogar mehr für den Beruf als ihre männlichen Kollegen, die knapp 62 Prozent ihrer Zeit am Arbeitsplatz verbringen.“ Deshalb hält Ulbort auch die neue Frauenquote für richtig. „Das wird den karrierewilligen Frauen den notwendigen Rückenwind geben.“ Bei der Untersuchung ergab sich, dass Frauen einen ebenso hohen Ehrgeiz bei der Verfolgung ihrer Karriere an den Tag legen wie männliche Führungskräfte. Auffälligerweise streben aber nur 32 Prozent der Frauen eine Rolle als Gesellschafterin oder Mitgesellschafterin in einer Firma an. Bei den Männern liegt dieser Wert bei fast 50 Prozent. Sehr zielstrebig sind die Frauen dagegen beim Thema Vergütung: 41 Prozent trachten nach einem möglichst hohen Salär, bei den Männern sind dies nur 32 Prozent. Dies liege am Nachholbedarf vieler Frauen beim Einkommen, erklärt Beraterin Ulbort. Bezahlen müssen die erfolgreichen Frauen ihre Führungsposition noch weit häufiger mit familiärer Entsagung als die Männer: Sie sind nur zu 72 Prozent verheiratet, Männer dagegen zu 92 Prozent. Und nur 36 Prozent haben Kinder, Männer auf vergleichbaren Positionen dagegen zu 80 Prozent. Exklusiv für die Automobilwoche wertete Odgers Berndtson das „Manager-Barometer“ mit Blick auf die Führungskräfte in der Automobilbranche aus. Daraus geht unter anderem hervor, dass mehr als zwei Drittel aller Befragten aus der Autobranche den Anteil von Frauen in Führungspositionen für „weniger ausreichend“ oder für „gar nicht ausreichend“ halten. Bei der Frage, welcher Anteil von Frauen in Führungspositionen denn „wünschenswert“ sei, zeigten sich die Befragten aus dem Automobilumfeld im Vergleich aller Branchen am konservativsten: Jeder Fünfte hält hier einen Anteil von maximal 20 Prozent für „ausreichend“ oder „völlig ausreichend“.
Frauen in Spitzenpositionen
Auch Eva kann hart sein
Julia Kuhn-Piëch und Louise Kiesling haben sich nicht nach oben gedrängt – nun stehen sie als Aufsichtsrätinnen des Volkswagen-Konzerns mit an der Spitze der Wirtschaftsbosse in Deutschland. Ihre Berufung hat in Teilen der Industrie für Kopfschütteln gesorgt. Auch die eine oder andere frauenfeindliche Karikatur wurde anschließend in einschlägigen Foren herumgereicht. Gemeinsamer Tenor der giftigen Bemerkungen: Frauen seien vielfach nicht geeignet für harte Führungsaufgaben und hätten im Zweifel andere Prioritäten, nämlich die Familie.