Paris. Die Vorstellung, dass talentierte Mitarbeiter ein Leben lang in ein und demselben Unternehmen arbeiten wollten, sei überholt. „Das Konzept ‚Job for Life‘ ist ein Anachronismus. Das wäre so, als würde man noch immer mit der Schreibmaschine schreiben statt mit dem Computer.“ Vielmehr sei es in der globalisierten Welt positiv, wenn junge Talente mehrmals das Unternehmen, die Branche und auch den Kulturkreis wechselten. „Globale Organisationen benötigen Manager mit internationaler Erfahrung, unterschiedlichen kulturellen Kommunikationsfähigkeiten und mit der Fähigkeit, mehrere Sprachen flüssig zu sprechen.“ Nissan sei im konservativen Japan Vorreiter bei der Einstellung nicht japanischer Manager, so Ghosn. 48 der 100 wichtigsten Führungskräfte bei Nissan seien keine Japaner. Sie stammen aus 17 verschiedenen Ländern. Die Führungsetagen müssten aber nicht nur internationaler, sondern auch weiblicher werden: „22 Prozent der 2000 wichtigsten Positionen bei Nissan sind mit Frauen besetzt“, schreibt Ghosn. Renault habe fünf Frauen in seinem erweiterten Vorstand, darunter Personalchefin Marie-Françoise Damesin.
Carlos Ghosn
Wandel an der Spitze
Mehr Internationalität, mehr Frauen, mehr junge Talente auf dem Weg an die Spitze – so sollte nach Einschätzung von Renault-Nissan-Präsident Carlos Ghosn die Entwicklung in den Führungsetagen der Automobilbranche und anderer Industriezweige aussehen. Als Paradebeispiel führt Ghosn Roland Krüger an. Den 48-jährigen ehemaligen Deutschland-Vertriebschef von BMW hatte er an die Spitze der Nissan-Nobelmarke Infiniti geholt. „Stellen Sie die Besten ein und fordern Sie sie heraus“, schreibt Ghosn in einem Aufsatz, den er auf der Karriereplattform LinkedIn veröffentlichte.