München. Die Automobilzulieferer wappnen sich für harte Preisverhandlungen mit dem Volkswagen-Konzern Anfang 2016 als Folge des Abgasskandals. "Man wartet, dass die Bombe platzt", sagte der Vertriebschef eines süddeutschen Zulieferers, der nicht namentlich genannt werden will, der Automobilwoche. Medienberichten zufolge will VW wegen des Abgasskandals bei den Zulieferern rund drei Milliarden Euro einsparen.
Dass die Lieferanten nicht bereit sind, sich an der Rechnung für das VW-Debakel zu beteiligen, machte ElringKlinger-Vorstandschef Stefan Wolf im Gespräch mit der Automobilwoche deutlich: "An unsere vertraglich zugesicherten Preisreduzierungen werden wir uns natürlich halten. Aber wenn wir merken sollten, dass versucht wird, zusätzlich etwas zu holen, um die Belastungen aus dem Diesel-Skandal bei den Zulieferern abzuladen, dann werden wir uns auf die Hinterbeine stellen."
Bislang sind aber noch keine Forderungen an die Zulieferer gerichtet worden. "Ich kenne keinerlei geplante Sonderaktionen", so Arndt G. Kirchhoff, Sprecher der Zulieferer im Verband der Automobilindustrie (VDA) und geschäftsführender Gesellschaft er der Kirchhoff Holding. Auch Wolf bestätigt, dass aus Wolfsburg bislang keine Ankündigungen gemacht worden sind, "dass man bei den Zulieferern etwas holen will".
Paul Schockmel, Chef des europäischen Zuliefererverbands CLEPA, sieht vor allem auf kleinere Lieferanten große Probleme zukommen. "Der VW-Skandal wird das Geschäft verändern. Jeder Hersteller will jetzt in umweltfreundliche Technologien investieren, doch nicht alle haben die finanziellen Mittel. Der Kostendruck auf die Zulieferer wird damit noch zunehmen", warnt er. Schwierig werde es "vielleicht für die kleinen Zulieferer, die nicht das Geld und die Strategien haben, um sich auf die Herausforderungen einzustellen". Mitarbeit: Michael Gerster