Endzeitstimmung. Das ist das Gefühl, das viele VW-Mitarbeiter in den vergangenen Wochen beschlichen haben muss. Die erste Zeit nach dem Bekanntwerden des VW-Abgasskandals war geprägt von Verunsicherung, Niedergeschlagenheit, auch von Wut. Ein unbegreiflicher Irrsinn, dass ein Weltkonzern so eine Schummelsoftware einbaut.
Die Phase der Zerknirschtheit ist einen Monat später natürlich nicht vorbei. Und doch scheint es so, als berapple sich VW bereits ein bisschen. Der Konzern schlägt eine vorsichtige Vorwärtsstrategie ein.
Der präsentierte Fünf-Punkte-Plan des neuen VW-Chefs Matthias Müller ist ein Hinweis darauf. Auch wenn es bislang bloß Ankündigungen sind: Müller zeigt damit, dass die Situation nicht ausweglos ist. Wenn alle an einem Strang ziehen, kann man die Krise überstehen. Fast hört man die merkelschen Worte heraus: Wir schaffen das.
Ein großes Hoffnungszeichen ist zudem, dass VW in dieser prekären Lage die geplanten Investitionen und Projekte für das US-Werk Chattanooga bestätigt. Das ist ein klares Bekenntnis zum Markt USA, was wichtiger denn je ist. Die Meldung zeugt von einer kontrollierten Offensive in Amerika. Als Vergleich: Man erinnere sich daran, dass sich VW einst entnervt vom Standort Westmoreland bei Pittsburgh zurückzog, als es dort nicht lief. Jetzt ist die Haltung eine ganz andere.
All das macht ein wenig Hoffnung. Nur ein "Weiter so" darf es keinesfalls geben. Es ging in den vergangenen Jahren immer um Rekorde, um Größe, darum, die Nummer eins zu sein, um das " höher, schneller, weiter".
Zurzeit klingt das alles anders: Müller will, dass VW gesund wächst, und stellt Profitabilität über Volumen. Es ist die Abkehr von der winterkornschen Machtkultur.
Ein Anfang ist damit gemacht. Die ersten Maßnahmen können aber all die Probleme und Unwägbarkeiten, die jetzt auf VW zukommen, nicht wegwischen. Durch diese Phase muss VW erst einmal durch. Es gibt keinen Grund zum Jubeln.