Zum einen, indem wir uns neue Regionen erschließen in denen wir bislang nicht so stark vertreten sind wie in Europa. Zum anderen wollen wir neue Produkte entwickeln in Segmenten, in denen wir heute noch nicht präsent sind.
"Analoge Insel in der digital vernetzten Welt"
Bei den Regionen denken wir an Nord- und Südamerika sowie Südostasien inklusive China. Nachdem wir mit unseren Produkten im Bereich über 500 Kubikzentimeter schon sehr gut vertreten sind, erweitern sind wir mit dem Modell G 310 R um einen Schritt nach unten. In Brasilien gibt es einen großen Markt, auf dem Motorräder mit rund 300 Kubik sehr stark verbreitet sind. Wir haben uns dazu entschlossen, ein Modell zu entwickeln, das auf einen solchen Markt passt und sich auch weltweit verkaufen lässt.
Zunächst einmal wollen wir profitabel wachsen. Und BMW Motorrad wird weiterhin einen substanziellen Beitrag zum Konzernziel acht bis zehn Prozent bei der Umsatzrendite leisten. Sowohl die neuen kleinen wie auch die großen Maschinen werden dazu beitragen, die avisierten 200.000 Einheiten zu erreichen. Vor allem auf Märkten, wo wir noch nicht unser Potenzial ausgeschöpft haben.
Wir haben in China auf niedrigem Niveau begonnen und konnten unsere Absätze in den vergangenen drei Jahren jeweils verdoppeln. Mittlerweile entwickelt sich der Markt deutlich. Unsere großen Maschinen finden in China großen Anklang und der Markt entwickelt sich rasant nach oben.
In diesem Jahr werden wir bei über 2500 Fahrzeugen liegen.
Wir wollen die Anzahl der Betriebe von 1100 auf 1500 ausbauen.
In Europa verfügen wir bereits über ein gut etabliertes Händlernetz, so dass das Wachstum hier vor allem qualitativ stattfinden wird. Das heißt, unsere europäischen Händler werden im Durchschnitt mehr Fahrzeuge verkaufen als das heute der Fall ist. Quantitatives Wachstum sehen wir eher in Nord- und Südamerika, China und Süd-Ostasien.
Zunächst einmal, wir planen keine neuen Werke. Berlin ist unser Hauptwerk und wir haben erst kürzlich beschlossen, dort noch einmal kräftig zu investieren. In den nächsten drei Jahren rund 100 Millionen Euro. So werden wir dort beispielsweise die Logistik modernisieren. Zudem verfügen wir über eine CKD-Fabrik in Thailand, die wir für die ASEAN-Märkte nutzen. Auch in Brasilien werden BMW Motorräder im Rahmen einer CKD-Produktion gefertigt. An beiden Standorten werden Motorräder zusammengebaut, die wir sowohl von Berlin wie auch von Indien aus mit Teilen beliefern. Ich verspüre überhaupt keinen Ehrgeiz, in einem der Wachstumsmärkte ein Vollwerk zu installieren, so lange ich die Möglichkeit habe, an den wichtigen Plätzen der Welt mit Partnern zusammenarbeiten zu können.
Ja. Was gibt es denn intelligenteres als einen Partner an seiner Seite zu haben, der quasi mit uns investiert und für uns produziert, ohne dass wir einen nennenswerten Fixkostenaufbau haben.
Bei uns ist es überhaupt nicht so, dass wir eine Differenz an Technologienutzung zum Automobil haben. Zum Beispiel haben wir beim Motorradmotor engere Toleranzen als beim Pkw. Wir erreichen Drehzahlen, die eher in Richtung Formel 1-Niveau gehen. Ich würde also nicht unterschreiben, dass wir technologisch hinter dem Pkw auch nur einen Moment hinterherhinken. Wir arbeiten sehr eng mit unseren Entwicklungskollegen vom Pkw zusammen und es gibt eine klare Vereinbarung, dass wir alles nutzen können, was für uns adaptierbar ist. Zudem haben wir bei BMW Motorrad eine eigenständige Entwicklung mit 400 Ingenieuren, die noch einmal eine gleiche Anzahl an Entwicklungspartnern außerhalb steuern. Wir sind mit der Technologie völlig auf Augenhöhe mit den Pkw-Kollegen. Da sind wir keinen Tag hintendran.
Ja, beim Motorrad kommt beispielsweise mit der Schräglage noch eine dritte Dimension hinzu. Nehmen Sie etwa das Kurvenlicht. Wenn wir ein Kurvenlicht wie beim Auto hätten, dann würde man beim Motorradfahren bei Nacht immer noch nichts sehen. Deshalb haben wir ein spezielles System für Motorräder entwickelt. Oder das Schräglagen-ABS, bei dem man mit dem Motorrad in der Kurve voll die Bremse ziehen kann und trotzdem stressfrei zum Stehen kommt. Die Thematik der dritten Dimension haben unsere PKW-Kollegen gar nicht. Oder nehmen Sie den Tote-Winkel-Assistenten. Auch da lässt sich das System nicht ohne weiteres vom Auto aufs Motorrad übertragen. Schräglage bei Kurvenfahrt müssen wir auch hier berücksichtigen. Wenn wir die Technik eins zu eins aus dem Auto übernehmen würden, gäbe das vor allem unsinnige Meldungen.
Ja, beispielsweise bei der Grundlagen- und Sicherheitsforschung im Konzern.
Wir sind als BMW Motorrad die analoge Insel in der digital vernetzten Welt. Und das ist auch gut so. Moderne Pkw sind ja heute eine Art rollendes Büro, die auf hohem Niveau vernetzte Daten anbieten und quasi überall erreichbar und konferenzfähig sind. Dann ist es doch schön, wenn man dem am Wochenende in seiner Freizeit mit dem Motorrad entkommen kann. Es wird nicht passieren, dass wir mit dem Zweirad autonom fahren können. Trotzdem haben wir das Anliegen, die Sicherheitsthematik weiter nach vorne zu treiben. In diesem Sinne arbeiten wir mit den japanischen Motorradherstellern Yamaha und Honda zusammen, um zukünftig die Kommunikation zwischen Motorrädern und Autos zu ermöglichen, um zum Beispiel rechtzeitig Kollisionswarnungen auszusprechen. Und an dieser Stelle nutzen wir die Konnektivitätsvorbereitungen unserer Kollegen vom Pkw. Sicherheitsthemen ja, aber die Freiheit auf zwei Rädern, die wollen wir uns nicht nehmen lassen.