Die Zukunft von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und von Porsches Finanzvorstand Holger Härter scheint entschieden. Das berichtet der "Spiegel". Große Teile des Porsche-Piëch-Clans sind der Ansicht, die beiden Top-Manager müssten nur noch an Bord bleiben, bis eine Lösung für die hohe Verschuldung von Porsche gefunden ist. Dann sollten sie gehen. Ihnen werden schwerwiegende Fehler vorgeworfen, die Porsche in eine bedrohliche Lage gebracht haben. "Das ist keine Frage von Jahren, sondern nur noch eine von ein paar Monaten", sagt ein Vertrauter der Familie.
Damit hätte sich VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch durchgesetzt, dem seit Monaten nachgesagt wird, er wolle Wiedeking loswerden. Bisher hatte sich die Porsche-Familie jedoch stets hinter das Führungsduo Wiedeking/Härter gestellt. Piëch wirft Wiedeking vor, bei der VW-Übernahme durch Porsche unnötig Streit um die Machtverteilung zwischen beiden Unternehmen ausgelöst zu haben. Wiedeking hatte vor allem das Land Niedersachsen und die VW-Belegschaft gegen sich aufgebracht.
Zuletzt soll der Porsche-Chef zwar zu weit reichenden Zugeständnissen an die Adresse der Wolfsburger bereit gewesen sein. Nach Informationen der Automobilwoche hatte Wiedeking sogar angeboten, die Sportwagenmarke Porsche als zehnte Marke in den VW-Konzern einzubringen (Automobilwoche vom 20.4.2009). Doch offenbar ist es für Kompromisse nun zu spät.
Denn bei der jüngsten Auseinandersetzung geht es vor allem um die Finanzierung der VW-Übernahme durch Porsche. Mitglieder des Porsche-Piëch-Clans berichten dem "Spiegel", Finanzchef Härter habe ihnen versichert, ein Zehn-Milliarden-Kredit werde auf jeden Fall verlängert. Porsche könne sich die Banken aussuchen. Man könne sogar 14 bis 17 Milliarden Euro bekommen, wenn man wolle. Tatsächlich erhielt Porsche einen Zehn-Milliarden-Kredit nur unter strengsten Auflagen und muss für 3,3 Milliarden binnen weniger Monate eine neue Finanzierung sicherstellen. Verärgert hat die Familien vor allem, dass nicht nur die von Porsche gehaltenen VW-Aktien dafür verpfändet werden mussten. Die Familien mussten auch mit einem Teil ihrer privat gehaltenen Anteile an Europas größtem Autohandelsunternehmen, der Porsche Holding GmbH in Salzburg, bürgen.
Ein Porsche-Sprecher dementierte den Bericht über Wiedekings bevorstehende Ablösung: "Diese rufschädigenden Spekulationen weisen wir entschieden zurück." Weiter sagte der Sprecher gegenüber dpa: "Den Vorwurf der schwerwiegenden Fehler weisen wir zurück. Wir weisen auch darauf hin, dass Porsche weiterhin grundsolide finanziert ist." (AMW/rei)