Stuttgart. Die europäische Autoindustrie hat eine Sorge mehr: Neben der schwachen Binnennachfrage und hohen Investitionen in die CO2-Reduzierung werden die ungünstigen Wechselkurse immer mehr zum Problem. Der Euro hat in jüngster Zeit überraschend stark an Wert gegenüber dem US-Dollar gewonnen. Gleichzeitig schwächten sich die Währungen von wichtigen Schwellenländern wie Brasilien deutlich ab. "Solche Währungseffekte können massiv auf die Gewinne der Autohersteller drücken - trotz eines starken Absatzwachstums. Derzeit scheinen die Hersteller das Thema aber zu unterschätzen", so Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Bei deutschen Autobauern sind die Auswirkungen in den Bilanzen noch vergleichsweise gering. Beim Zulieferer ElringKlinger haben die Wechselkurse hingegen schon die Erwartungen an das Geschäftsjahr gedämpft. Eine Abwertung des brasilianischen Real trifft besonders europäische Volumenhersteller wie Volkswagen, Renault und Fiat, die dort stark vertreten sind. Umgekehrt sorgt der von der Regierung künstlich schwach gehaltene Yen für steigende Gewinne bei Toyota. Angetrieben durch einen Absatzboom in den USA haben die Japaner die Gewinnprognose erhöht: 85 Prozent der Mehreinnahmen gehen auf das Konto des Yen. Ford-Chef Alan Mulally warf der japanischen Regierung sogar "Manipulation" vor. Auch die koreanischen Volumenhersteller Hyundai und Kia leiden unter dem starken Won, der sie gegenüber der japanischen Konkurrenz ins Hintertreffen geraten lässt.
Pieper rechnet in den nächsten Monaten mit einem anhaltend starken Euro gegenüber den wichtigsten Währungen. Auf Jahressicht könnten sich die Gewinnbelastungen bei Volkswagen, BMW und Daimler auf je rund eine Milliarde Euro summieren. "Bei BMW und Daimler kann ein starker Euro den Gewinn ohne weiteres um bis zu 15 Prozent beeinträchtigen", so der Analyst.Starker Euro
Wechselkurse drücken Gewinne
Der starke Euro schwächt die europäischen Hersteller, dagegen erhalten die japanischen Autobauer Rückenwind vom künstlich schwachen Yen. Die Euro-Belastung wird laut Analyst Jürgen Pieper unterschätzt.
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