Duisburg/Berlin. Deutschland hinkt beim Verkauf von Elektroautos im internationalen Vergleich deutlich hinterher, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen. Als Beispiel nennt Dudenhöffer in einer Untersuchung den Vergleich von Verkäufen wichtiger Modelle, die sowohl in den USA als auch hierzulande angeboten werden. Demnach wurden im ersten Halbjahr 2013 in den USA 35 mal mehr dieser E-Autos ausgeliefert als in Deutschland. Der Pkw-Markt der USA ist jedoch nur fünfmal so groß wie der deutsche.
Der Experte beklagt, dass in Deutschland der politische Rahmen "trotz serienreifer und alltagstauglicher Technik" fehle. "Steuert die Politik beim Elektroauto in Deutschland nicht um, wird Deutschland internationales Schlusslicht bei Elektromobilität bleiben", so Dudenhöffer. Tatsächlich verkaufen sich Elektroautos nur in solchen Märkten besser, in denen sie massiv gestützt werden – so in den Niederlanden, wo es pro Fahrzeug bis zu 5000 Euro Zuschuss vom Staat gibt.Wo das Elektroauto mit der etablierten Technologie, vor allem sparsamen Diesel-Modellen konkurrieren muss, fährt es hinterher – so in Deutschland. Der Grund liegt auf der Hand: Serienreif und alltagstauglich sind die meisten E-Mobile eben nicht. Hohe Preise und eine geringe Reichweite von rund 120 Kilometern lassen Kunden an der neuen Technologie zweifeln. Zudem hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass auch der Umweltnutzen der E-Mobile fragwürdig ist. So stammt der Strom in Deutschland zu zwei Dritteln aus Kohle- und Gaskraftwerken. Wird ein Elektroauto damit geladen, produziert es kaum weniger CO2 ein sparsames Fahrzeug mit konventionellem Antrieb.Einige dieser Nachteile will BMW mit dem an diesem Montag in New York, Peking und London präsentierten i3 beseitigen. Zumindest die Reichweite soll mit bis zu 180 Kilometern größer sein als die der meisten E-Mobile. Und gegen Aufpreis baut BMW ein Benzinaggregat ein, das im Notfall für genügend Strom sorgt. Im November soll der i3 bei den Händlern stehen. Billig wird das teilweise aus Karbonfasern gebaute Auto jedoch nicht: Ab 34.950 Euro. Die Münchner wagen mit der kompletten Neuentwicklung den Schritt auf den noch immer kleinen Markt für E-Autos. Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen.Für den gesamten Markt rechnet die deutsche Autoindustrie nicht mit einer schnellen Erholung der Nachfrage in Europa. «Der westeuropäische Pkw-Markt wird zurückkommen», sagte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, dem «Tagesspiegel» (Montag). «Niemand kann aber heute sagen, wann genau das sein wird.» (dpa/rei)Warum Deutschland bei E-Autos zurückliegt
Ist es die mangelnde politische Unterstützung, weshalb in Deutschland relativ wenige Elektroautos verkauft werden? Das jedenfalls meint Autoexperte Dudenhöffer. Doch die wahren Gründe liegen woanders.
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