Wolfsburg. Die Volkswagen AG steht vor einschneidenden Änderungen ihrer weltweiten Beschäftigungs- und Produktionsstrukturen. Wie VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard bei einer Betriebsversammlung am vergangenen Donnerstag im Stammwerk Wolfsburg sagte, will er mit zusätzlichen Modellen, höherer Produktivität bei niedrigeren Produktionskosten sowie einer besseren Auslastung der VW-Werke den Hersteller "nachhaltig zukunftsfähig" machen. "Wir bauen tolle Autos", urteilt Bernhard. "Bei den Kosten sind wir aber noch weit von unseren Zielen entfernt."
So plant Bernhard für die Neuauflage des Kompaktwagens Polo, die Ende 2008 auf den Markt kommt, eine erhebliche Senkung der Herstellkosten von bis zu 2.000 Euro. Einen Großteil der vor allem über optimierte Fertigungsabläufe erzielten Einsparungen will VW an die Käufer weiterreichen, um den Polo für größere Kundenkreise erschwinglich zu machen und dadurch auf höhere Stückzahlen zu kommen. Mit einem Grundpreis von 11.500 Euro gilt die aktuelle Version des Fünfsitzers als vergleichsweise teuer. Um Zielgruppen zu erschließen, die den Polo aufgrund seines eher konventionellen Äußeren bisher nicht in Betracht zogen, wird das Design des Neuen nach Angaben eines hochrangigen Entwicklungsingenieurs "erheblich dynamischer als bisher" ausfallen. Überdies ist unter anderem ein zweitüriger Ableger mit vier Sitzen und sportlicher Fahrwerksabstimmung geplant, der Coupé-hafte Züge trägt.
Die extrem kostspielige Motoren-Vielfalt will Bernhard deutlich einschränken. Statt der vielen, technisch stark unterschiedlichen Motoren soll es über alle Baureihen hinweg künftig verstärkt Derivate eines Aggregatetyps mit unterschiedlichen Leistungsklassen geben. So geht aus vertraulichen Unterlagen hervor, die Automobilwoche vorliegen, dass für den Passat ein 125 PS starker TFSI-Antrieb sowie ein Pendant mit 160 PS in Vorbereitung sind.
Beide Motoren, mit denen VW vor allem verbrauchsbewusste Interessenten ansprechen will, sollen im dritten Quartal 2007 erscheinen. Der neue V6-TDI mit 230 PS hingegen wird im Passat "nicht vor 2009" kommen. Für die weltweit wichtigsten Wachstumsmärkte etwa in Asien plant Volkswagen ein innovatives Produkt- und Fertigungskonzept betont preisgünstiger Automobile. Mit einer neuen "Entry-Level-Strategie" will Markenchef Bernhard VW für Preisattacken und den absehbaren Verdrängungswettbewerb insbesondere durch asiatische Konkurrenten rüsten.
Kernstück der Pläne ist ein neu zu entwickelnder Modulbaukasten, mit dem VW auf Basis technisch einheitlicher Komponenten ein Billigauto an länderspezifische Erfordernisse anpassen kann. "In ASEAN-Staaten würde der Kofferraum größer ausfallen", skizziert ein Wolfsburger Insider den Ansatz, "für Brasilien ein robusteres Fahrwerk zum Einsatz kommen." Um Zollschranken zu umgehen und Logistikkosten zu reduzieren, soll der neue Einstiegs-VW mit möglichst hohem Wertschöpfungsanteil lokaler Zulieferer in den jeweiligen Hauptmärkten produziert werden.
Nach einem Zerwürfnis mit Karl Hirtreiter hat Bernhard den für die Entry-Level-Strategie zuständigen Topmanager inzwischen durch Karl-Heinz Steinkopff ersetzt. Von Steinkopff, einem Experten für die Analyse von Wettbewerbsfahrzeugen, erhofft Bernhard auf Basis von Benchmark-Vergleichen neue Impulse für die VW-Produktion. Auch am oberen Ende der VW-Palette setzt Bernhard an. Der für 2010 auf einer verlängerten A6-Plattform von Audi vorgesehene neue Phaeton etwa soll deutlich günstiger eingepreist werden als das aktuelle Modell, das ab 62.000 Euro zu haben ist.
VW-Chef Bernhard: Der Vorstand will das Markenversprechen "Volkswagen" künftig besser einlösen.