Mit "höchster Spannung", so eine andere VW-Führungskraft, die ebenfalls Anonymität verlangte, würde intern nun insbesondere verfolgt, wie VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard auf die neue Konstellation in der Konzernführung reagiert: "Viele Kollegen gehen davon aus, dass Bernhard bei VW schon bald aufhören wird". Zum einen sei Bernhard ein "Alpha-Tier, das sich unter den gegebenen Umständen keinem neuen Leitwolf unterordnen" wolle.
Zum anderen werde auf den VW-Fluren schon seit längerem spekuliert, dass der erfahrene "Troubleshooter" Bernhard angesichts der drängenden Probleme bei Chrysler gern zu seinem früheren Arbeitgeber DaimlerChrysler zurückkehren würde. Dies umso mehr, als nach dem Abgang von Jürgen Schrempp der Stuttgarter Multi mit Dieter Zetsche nun von einem Bernhard-Intimus geführt werde. "Mit der Bestellung von Audi-Chef Winterkorn zum Vormann von VW hätte Bernhard nach innen wie nach außen einen plausiblen Anlass, um rasch zu gehen", so der VW-Manager, "obwohl er seine Sanierungspläne für VW noch nicht annähernd abgearbeitet hat".
Neben offenen Fragen rund um den Fortgang der überfälligen Restrukturierung bei VW beschäftigen sich auch in anderen Konzernsparten zahlreiche Führungskräfte bereits mit Szenarien über mögliche Veränderungen der Managementmatrix im Zuge des bevorstehenden Abgangs von Pischetsrieder. So urteilt ein Manager der Marke VW Nutzfahrzeuge (VWN) aus Hannover, dass der Wechsel von Pischetsrieder auf Winterkorn den für Januar 2007 geplanten Amtsantritt von Stephan Schaller als VWN-Chef "bestimmt nicht leichter" machen wird. "Schaller, der wie Pischetsrieder früher bei BMW gearbeitet hat, ist ein enger Vertrauter des scheidenden VW-Konzernchefs", begründet der VWN-Insider seine Einschätzung. "Und anders als Pischetsrieder hat Winterkorn zumindest bisher kaum Affinität zum Lkw-Geschäft gezeigt".