Hannover. Angesichts der wachsenden Preissensitivität potenzieller Käufer überarbeitet die Marke Nutzfahrzeuge der Volkswagen AG (VWN) ihre Preisstrategien. "Wir bringen eine Reihe günstiger Einstiegsmodelle auf den Markt", kündigte VWN-Markenvorstand Bernd Wiedemann im Interview mit Automobilwoche an. "Stärker als bisher wollen wir Kunden ansprechen, die uns bisher nicht auf dem Einkaufszettel hatten."
So reicht VWN auf Basis der aktuellen Transporterreihe T5 nun einen neuen "Caravelle"-Van nach, dessen Entwicklung ursprünglich nicht vorgesehen war. Der Kleinbus mit fünf bis sieben Sitzplätzen soll zu Preisen ab 29.383 Euro Käuferkreise wie etwa Hotelketten ansprechen, denen der gehobene T5-Multivan zu teuer (ab 33.344 Euro), der so genannte Transporter Shuttle (ab 28.002 Euro) hingegen zu spartanisch ausgestattet ist.
Auch die Neuauflage des Stadtlieferwagens Caddy wird bald in einer Sparversion zu haben sein: Da VWN beim "Economy" auf das teure Schiebetürkonzept verzichtet und der Basis-Caddy wegen reduzierter Traglast mit billigeren Reifen auskommt, liegt der Kaufpreis mit 11.945 Euro netto mehr als 500 Euro unter dem bisherigen Basisauto: "Ein wichtiger Anreiz nicht nur für besonders preisbewusste Handwerksbetriebe" (Wiedemann).
Und nach massiver Kritik vieler Interessenten am hohen Grundpreis des Wohnmobils "California" (ab 39.620 Euro) bereitet VWN für Ende 2005 ein Einstiegsmodell namens "Tramper" vor. Dessen Zielpreis: weniger als 30.000 Euro.
Die prekäre Geschäftslage bei VWN will das Management schleunigst entschärfen. Nach einem Halbjahresverlust in Höhe von 134 Millionen Euro hatte VW-Chef Bernd Pischetsrieder die Situation des Teilkonzerns jüngst als "Desaster" bezeichnet und eindringlich Abhilfe angemahnt.
Bei der "Steigerung der Produktivität, die wir mit Vorrang verfolgen" (Wiedemann), kommt VW-Produktionsvorstand Folker Weißgerber eine Schlüsselrolle zu. So hat Weißgerber, im Rahmen des VW-Sparprogramms "ForMotion" als Promotor zuständig für das Nutzfahrzeuggeschäft, Pilotserien- und Lackexperten aus den VW-Werken Wolfsburg, Emden und Mosel als technische Ratgeber ins VWN-Stammwerk Hannover entsandt. Überdies durchleuchten Berater von Porsche Consulting Montageprozesse auf Optimierungspotenzial. "Schon im nächsten Jahr", kündigt Wiedemann an, "wollen wir den Turnaround schaffen."