Wolfsburg. Volkswagen arbeitet mit Hochdruck an neuen Vertriebskonzepten, um die Durchschlagskraft auf wichtigen Absatzmärkten zu steigern. Dabei stellt sich die Führung angesichts stagnierender Absatzzahlen in vielen Verkaufsregionen auf eine härtere Gangart ein. "Wir wollen nicht Weltmeister der Herzen werden", sagte Michael Kern, im Markenvorstand von VW Pkw verantwortlich für Vertrieb und Marketing, Anfang vergangener Woche vor Topmanagern des Unternehmens. "Für uns ist der Zweitplatzierte schon der erste Verlierer."
Um die Spitzenposition von VW in Westeuropa und insbesondere in Deutschland auszubauen, hat der Vertrieb unter anderem eine "Konzern-Remarketingstrategie mit Fokus auf Restwertmanagement und effektiver Wiederverwertung" entwickelt. So will VW ab Herbst dieses Jahres Gebrauchtwagen in Eigenregie über das Internet vermarkten. Zudem feilt VW an einem besseren Customer Relationship Management, um Autokäufer intensiver zu betreuen. Unerlässlich sei, so Kern, "Wettbewerber im Auge zu behalten" und schneller als bisher etwa auf Preisattacken der Konkurrenz zu reagieren.
Bei der Eroberung zusätzlicher Käuferschichten setzt der Vertrieb große Hoffnungen auf den neuen Scirocco, der im zweiten Quartal 2008 in den Handel kommt. Einen Ausblick auf das Design des sportlichen Zweitürers gibt die Konzeptstudie "Iroc", die VW am 24. August in Berlin vorstellen wird.
Während sich VW-Personalchef Horst Neumann mit der IG Metall noch über Rettungsszenarien für ineffiziente VW-Komponentenwerke auseinander setzt, lässt sein für den Einkauf zuständiger Vorstandskollege Francisco Javier Garcia Sanz im Hintergrund bereits vorsorglich nach möglichen Käufern und Jointventure-Partnern suchen. Das heikle Projekt wurde dem VW-Beschaffungsmanager Alexander Seitz übertragen, der direkt an Garcia Sanz berichtet.
Unterdessen nimmt VW-intern die Kritik an den Konsequenzen der Aufhebungsverträge zu, mit denen der Hersteller den zu hohen Belegschaftsstand reduzieren will. Zwar hat Volkswagen im Rahmen einer Zeitarbeitsinitiative über 150 zusätzliche Personalarbeiter befristet engagiert, um bis Ende September möglichst viele Schnellentschlossene von den Vorzügen eines Aufhebungskontrakts zu überzeugen. "In der Praxis sind die Beratungsgespräche aber allzu oft Hauruckaktionen", klagt ein Topmanager, "die dazu führen, dass vor allem jüngere und belastbare Mitarbeiter mit eigentlich guten Perspektiven das Haus verlassen." (kro/tb)