Wolfsburg. Klaus Volkert, der Vorsitzende des Volkswagen-Gesamtbetriebsrats, fordert eine stärkere Einbindung in die von VW-Chef Bernd Pischetsrieder begonnene Umorganisation des Unternehmens. "Dieser Konzern braucht dringend neue Strukturen", mahnte Volkert im Gespräch mit Automobilwoche an. "Dabei werden wir aufpassen müssen, dass die Interessen der Arbeitnehmer nicht hinten herunterfallen." Überzogenen Sparplänen als Reaktion auf das anhaltend schwierige Marktumfeld des Autoherstellers erteilte Volkert, der auch dem Präsidium des Aufsichtsrats angehört, eine klare Abfuhr: "Wir dürfen uns nicht kaputtsparen."
Die vom VW-Aufsichtsrat jüngst beschlossene Änderung der Zuständigkeiten sei allenfalls "ein erster Schritt in die richtige Richtung". Auf Drängen von Pischetsrieder hatte das Gremium vor einer Woche genehmigt, das Konzernressort Vertrieb und Marketing zu streichen. Volkert: "Bei der Verantwortung für Volumen und Ergebnis der Marken haben die Regionalfürsten ausgedient." Dafür sollen die Befugnisse der Markengruppen um VW und Audi weiter wachsen. Vor allem hier verlangt Volkert mehr Mitspracherechte. Überfällige Reformen im Vertrieb trage er mit. Künftig aber müssten die Arbeitnehmervertreter "besser als bisher informiert und in die Planungen einbezogen werden". In Gesprächen mit Pischetsrieder werde er "druckvoll darauf hinwirken, dass dies geschieht".
Akuten Handlungsbedarf sieht Volkert überdies im Hinblick auf eine "engere Verknüpfung der Markengruppen untereinander". So wird der Betriebsratschef in Gesprächen mit dem VW-Vorstand in den kommenden Wochen darauf drängen, die interne Abstimmung zwischen den Markengruppen Volkswagen und Audi zu verbessern, um etwa die Verteilung von Aufträgen auf einzelne Werke zu optimieren. "Es darf nicht sein, dass wir in einer Fabrik Kurzarbeit fahren müssen und an einem anderen Standort permanent Zusatzschichten zu stemmen haben", so Volkert im Gespräch mit Automobilwoche.
Als passendes Gremium bei der Suche nach Ausgleichsmaßnahmen bietet sich nach Ansicht von Volkert der Konzernbetriebsausschuss an, in dem sich Markenstrategen, Personalexperten und die Leiter der betroffenen VW-Standorte "häufiger und intensiver als bisher abstimmen sollten".
"Präzisere Planungen" mahnt Volkert auch im Hinblick auf die Modellpalette des Konzerns an. Hier seien Kannibalisierungseffekte durch Überschneidungen noch längst nicht gebannt. Volkert: "Ich habe nach wie vor das Gefühl, dass an einigen Ecken des Konzerns das Geld förmlich zerrissen wird."
Große Sorgen bereitet dem VW-Betriebsratschef derzeit das Werk im mexikanischen Puebla, in dem unter anderem der Beetle gefertigt wird. Nach Absatzeinbrüchen vor allem auf dem US-Markt stehen in Puebla Produktionskürzungen an. "Um Massenentlassungen zu vermeiden", so Volkert, suche man fieberhaft nach Lösungen. Bei einem Treffen des Welt-Konzernbetriebsrats im Werk Emden seien "Personalüberhänge" und "neue, flexiblere Arbeitszeitsysteme" bereits erörtert worden.
In Deutschland versucht VW jetzt den schwachen Absatz des Beetle mit dem Sondermodell "Arte" zu pushen. Das Auto bietet Käufern einen Preisvorteil von über 1.700 Euro. Beim Beetle Cabrio hingegen müssen sich Interessenten bis zum ersten Quartal 2004 gedulden. Noch länger sind die Lieferzeiten für die Diesel-Versionen des VW Touareg. Volkert: "Die nächsten Monate werden spannend."