Wolfsburg. Das Konzept des VW-Managements für die bevorstehende Tarifrunde 2004 trifft auf den heftigen Widerstand der Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsräte der betroffenen westdeutschen Werke. Den Plan von VW-Personalvorstand Peter Hartz, mit so genannten Co-Investments den "tarifpolitischen Spielraum auf die einzelnen Standorte zu delegieren", sehen sie als Versuch zur Spaltung der deutschen Standorte.
"Eine Verlagerung bisher tariflicher Regelungen auf Betriebe und Standorte wird es mit der IG Metall nicht geben", erklärte Hartmut Meine, Verhandlungsführer der Gewerkschaft bei VW, gegenüber Automobilwoche. "Das würde den ohnehin starken Erpressungsdruck auf Belegschaften und Betriebsräte im Rahmen der Standortkonkurrenz noch weiter verstärken." Diesen Teil des "Nachhaltigkeitsvertrags", den VW-Arbeitsdirektor Hartz vorgeschlagen hatte, "um Arbeitsplätze in Deutschland zu halten und wettbewerbsfähiger zu machen", will Meine auf keinen Fall mit tragen. "Co-Investment zielt vor allem auf die unbezahlte Verlängerung der Arbeitszeit", so der niedersächsische Bezirksleiter. Das lehne die IG Metall entschieden ab.
Auch die Betriebsräte des VW-Konzerns weisen das Konzept der Co-Investments einhellig zurück. "Es ist nicht Aufgabe des Betriebsrats, Sparvorschläge zu organisieren", rügt Detlef Tanke, stellvertretender Betriebsratschef im Motorenwerk Salzgitter, die Hartz-Idee einer "Gegenleistung für Einmal-Investitionen". Ein Wolfsburger Betriebsrat, der wegen der "enormen Brisanz" ungenannt bleiben will, sieht in Co-Investments den "gefährlichen Versuch, einen Spaltkeil zwischen die VW-Standorte zu treiben".
Allerdings bröckelt die VW-Front gegen das Hartz-Konzept schon jetzt. Ausländische VW-Werke sehen nun gute Chancen, deutschen Standorten Aufträge abzujagen. Hartz hatte gewarnt, dass Wolfsburg noch keineswegs den Zuschlag für den Geländewagen auf Basis des Golf habe. "Das VW-Werk Brüssel hat große Erfahrung mit Autos der A-Plattform", signalisiert der belgische Gewerkschaftsfunktionär Stefaan van Bockstaele. Und Mitarbeiter aus dem VW-Werk Bratislava preisen aus gleichem Grund schon mal die "Allradkompetenz" des slowakischen Standorts.